Höhe null - wir sind am Mittelmeer

Dienstag, 10.09.2019

Die Landschaft hat sich verändert. Das Gelände ist leicht wellig, der Boden karg, steinig und trocken. Die einzige Möglichkeit, dem Boden noch etwas abzugewinnen, sind Mandel- und Olivenbäume.

Mandelbäume und ihre Früchte.

Olivenbäume und ihre Früchte.

Nachdem wir bis auf 350 m heraufgeradelt sind, geht es in einem ausgetrockneten Seitental über fast 20 km mit schöner seichter Abfahrt wieder herunter zum Ebro. Hier muss es vor einiger Zeit gebrannt haben. Fast die ganze linke Talseite ist abgebrannt.

In Flix erreichen wir den Ebro, der hier eine180 Grad Schleife bildet. Campingplätze gibt es in dieser untouristischen Gegend nicht, wir haben aber bei Googlemaps ein Hotel gefunden. Als wir dorthin fahren, sind wir nicht begeistert. Eine schäbige Gegend am Ortsrand mit staubigen Industrieanlagen - und das Hotel ist geschlossen. Was nun? Der eigentliche Ort liegt oberhalb der Flussschleife und wir hoffen, dort noch eine Unterkunft zu finden. Vor einem Haus fragen wir einen Mann. Er ist sehr hilfsbereit und erklärt uns, dass es am anderen Ortsende noch ein Resort gibt und wie man dort hinfindet. Die ganze Familie kommt heraus, eine Tochter/Schwiegertochter kann etwas englisch. Sie wollen sogar mit ihrem Auto unser Gepäck dorthin bringen, weil es bergauf geht. Wir lehnen aber das sehr nette Angebot ab und strampeln selber. Das Resort liegt wirklich unberührt und ruhig oberhalb des Ebro. So sind wir doch noch zu einem sehr schönen Quartier gekommen.

Der Ebro ist einer der großen Flüsse Spaniens, mit 910 km ist er der zweitlängste. Von seinem lateinischen Namen Iberus leitet sich z. B. iberische Halbinsel ab.

Allein am Pool des Resorts. Eine unserer treuen Leserinnen hat ja im letzten Blog Lisas angestrengten Blick bei einer gegenwindigen Steigung kommentiert. Hier der Beweis, dass es auch entspannte Momente auf unserer Tour gibt.

Feigenkaktus und Granatäpfel

Ascó am Ebro mit dem Kernkraftwerk im Hintergrund.

Hier ist sogar wieder Weinanbau möglich.

Um ans Meer zu kommen, müssen wir noch das Küstengebirge durchqueren. Dazu haben wir einen Bahnradweg gefunden. 40 km müssen wir aber bei ziemlicher Hitze leicht aufwärts fahren, um ihn zu erreichen. Dann geht es von 350 m nur noch bergab. Der Weg "Via Verde de la Terra Alta" verläuft auf einer ehemaligen Bahnlinie, die die Provinz Aragon mit dem Mittelmeer verband. Die Linienführung durch ein felsiges Tal ist äußerst eindrucksvoll. Wie man auf die Idee kommen kann, durch solch eine Gegend eine Bahn zu bauen! Der Weg ist zwar geteert, aber der Belag ist nicht der beste und wir kommen nur langsam voran, aber auch, weil wir so häufig zum Staunen und Fotografieren angehalten haben.

Unser Start auf dem Radweg beim Ort Bot.

Der Weg führt durch unzählige Tunnel, es waren deutlich mehr als ein Dutzend, einige bis 750 m lang und die kürzeren unbeleuchtet.

10 Minuten bin ich für dieses Foto durch kratzige Büsche hochgekraxelt - ich denke, es hat sich gelohnt. Insgesamt waren die 35 km auf diesem Radweg ein echtes Highlight.

Gewaltige Feigenkakteen und Agaven, schon wieder unten im warmen Tal des Ebro.

Die alte Eisenbahnbrücke über den Ebro bei Tortosa. Hier sind wir nur noch 30 km vom Mittelmeer entfernt.

Das gleiche Motiv: oben abends, unten morgens.

Wir sind ja in Katalonien, man sieht viele katalanische Flaggen, die spanische sieht man nicht. Hier wird die Freiheit für die politischen Gefangenen gefordert - einige katalanische Politiker und Aktivisten wurden ja im letzten Jahr im Zuge des Referendums über die Unabhängigkeit Kalaloniens verhaftet.

Der Ebro hat einen großen, flachen Schwemmkegel vor der Küste angeschüttet. Hier wird in großem Stil Reis angebaut.

Bei Sant Carles de la Ràpita treffen wir auf die Küste des Mittelmeeres. Wie dankbar sind wir für diese Verkehrsschilder 😉.

Das Gelände ist flach und wir haben fast den ganzen Tag Rückenwind - kaum zu glauben.

Peníscola mit seiner Festung auf einer Landzunge. Hier legen wir einen Ruhetag ein. Das Wetter am Folgetag ist leider nicht so schön, wie hier bei unserer Ankunft. Es ist vergleichsweise kühl mit einem ruppigen Wind.

Am Nachmittag schauen wir uns den eindrucksvollen, befestigten alten Ortsteil an, der auf einer felsigen Landzunge thront.

Als wir näher kommen, merken wir, dass dort gerade etwas Besonderes stattzufinden scheint. Es ist eine Arena aus kräftigen Metallstangen aufgebaut. Mit einigem Gedränge können wir noch einen Platz auf der Tribüne ergattern. Das sieht nach Stierkampf aus - keine Angst, ist es nicht. Anlässlich des Patronatsfestes, das eine Woche lang gefeiert wird, gibt es eine Show, in der Stiere eine wichtige Rolle spielen. Wie das korrekt heißt, weiß ich nicht. Nachdem wir 45 Minuten gewartet haben, geht es endlich los. Mit Musik kommen einige Gruppen in die Arena, sieht fast aus wie ein Karnevalsumzug. Dann wird es ernst. Ein junger Bulle, der noch keine Hörner hat, wird in die Arena gelassen. Die Menge schreit und der Bulle saust verstört herum. Von jung und alt wird er gereizt und im letzten Moment springen sie hinter die Gitter oder auf die Holzgestelle, wenn er angerannt kommt. Nach 10 Minuten darf er wieder raus und es kommt ein zweiter. Wir haben genug gesehen und gehen. Später sehen wir oben von der Festungsmauer aus, dass danach auch ein richtig kräftiger Bulle mit langen Hörner kommt. Da sind dann nur noch ein paar ganz wagemutige junge Männer unten im Ring.

Die Frauen reizen den kleinen Stier mit roten Tüchern und springen dann auf die Stufen, wenn er kommt.

Einmal gab es richtige Aufregung, als der kleine Stier irgendwie durch die Gitterstäbe gekommen ist und zwischen den Zuschauern war. Einige kräftige Männer haben ihn dann festgehalten. Zum Glück saßen wir oben.

Blick von der Festung auf den Strand. Das Meer ist heute ziemlich rauh.

Ein letzter Blick im schönsten Abendlicht, bevor wir wieder zum Campingplatz gehen.

Wir sind jetzt 6 Wochen unterwegs und haben etwa 2300 km zurückgelegt. Damit haben wir fast die halbe Strecke bis Marrakesch geschafft. Morgen fahren wir möglichst in der Nähe der Küste weiter Richtung València.