Übersichtskarte

Abschied von Marokko

Montag, 18.11.2019

Am Samstag, 16.11. fahren wir morgens schon um kurz nach 7 Uhr in Zagora zum Busbahnhof, es ist noch dunkel. Wieder ist das Verladen der Fahrräder und des Gepäcks ganz unkompliziert. In Deutschland ginge das wahrscheinlich nicht so einfach. Wir fahren die gleiche Strecke bis Ouarzazate zurück, die wir in zwei Tagen geradelt waren. Bei einer Pause in einem Restaurant ist diese mit Blumen geschmückte Wand doch ein Foto wert.

Auf dem zweiten Abschnitt von Ouarzazate nach Marrakech muss der Bus wieder den Hohen Atlas über den Tichka-Pass (2260 m) überwinden. Anders als gut zwei Wochen vorher auf dem Hinweg sind die Gipfel mit Neuschnee überzuckert. Die Straße ist frei und auch trocken, aber v. a. auf der Nordseite liegt der Schnee bis auf 2000 m herunter. Hier sind auch viele Baustellen (z. T. mit Einbahnverkehr), an denen die sehr kurvige Straße durch aufwendige Felsarbeiten begradigt werden soll. Das war uns auf dem Hinweg in diesem Ausmaß nicht so aufgefallen und wird wohl noch ein paar Jahre dauern. Außerdem herrscht viel Verkehr. Für diese 200 km benötigt der Bus fast 5 Stunden.

In Marrakech angekommen, fahren wir noch schnell beim Radladen vorbei, um zu klären, wann wir die Radkartons bekommen können. Wir haben eine FeWo für 2 Tage gebucht. Wir kommen etwas in Stress, weil wir die Wohnung wegen einer falschen Positionsangabe von Booking.com nicht finden können, Lisa aber telefonisch eine Zeit für die Schlüsselübergabe ausgemacht hat. Endlich um 17:30 Uhr ist alles geschafft. Ein anstrengender Tag und der Kopf saust, obwohl wir kein Rad gefahren sind.

Morgens machen wir uns erst spät unser Frühstück. Die Zutaten hatten wir abends in einem nahen Einkaufscenter im Carrefour-Supermarkt gekauft. Wenn man den einfachen Berberfrauen im Süden, die mit dem Esel in der Oase das Grünzeug holen, diese schicken Läden zeigen würde, sie würden wohl vom Glauben abfallen. Wir müssen noch unser vor 2 Wochen deponiertes Gepäck abholen. Das Quartier war leider jetzt ausgebucht, so dass wir dort nicht übernachten konnten. Wir fahren mit den Rädern dort hin und kommen dabei noch einmal am Rand der Medina vorbei. Das Gewusel der Leute, die vielen kleinen Werkstätten und Läden, die Motorroller und Eselkarren, das ist schon etwas Besonderes - man muss es gesehen haben. Unser Gepäck ist natürlich noch da. Bei einem Tee plaudern wir mit dem Hauswirt fast eine Stunde über unsere Erlebnisse der letzten 2 Wochen. Auf dem Rückweg kehren wir bei Dino's Eiscafé ein. Der Himmel ist blau, die Luft aber kühl. In der Sonne kann man aber draußen sitzen und wir genießen das erste Eis in Marokko 😊.

Am Montag Morgen beginnt der letzte Akt. Wir verlassen unsere FeWo und fahren zum nicht weit entfernten Radladen. Die beiden Radkartons, die schon für uns bereit stehen, sind optimal für unsere Räder. Wir müssen nur Lenker, Pedalen, Sattel und Ständer abbauen. Dann passt das Rad perfekt in den Karton. Ein paar Kleinteile packen wir noch dazu - und fertig. Die restlichen Packtaschen verstauen wir jeder in einer großen Gewebetasche, die wir vorgestern für wenig Geld in einem Souk in der Medina gekauft hatten. Wir dürfen nämlich, außer dem Fahrrad, jeder nur ein Gepäckstück einchecken. Alles können wir im Radladen deponieren. Sie haben auch ein großes Auto und bringen uns morgen früh zum Flughafen, besser kann man es nicht haben.

Nur mit unserem Handgepäck fahren wir im Taxi zum Hotel Almas, wo Lisa uns zum Abschlus der Tour nochmal ein schönes Zimmer gebucht hat.

Auf der Dachterrasse gibt es einen großen Pool. So schön das bei dem blauen Himmel auch aussieht, der Eindruck täuscht. Es ist jetzt eindeutig zu kalt, letzte Nacht waren es nur 6 Grad. Vor drei Wochen hätten wir uns über einen Pool gefreut.

Am Nachmittag brechen wir zu unserem letzten Programmpunkt auf: wir besichtigen den Jardin Majorelle und das benachbarte Musée Yves Saint Laurent. Die beiden Sehenswürdigkeiten zählen mittlerweile zu den meistbesuchten in Marrakech.

1923 kaufte der französische Maler Jacques Majorelle (1886–1962) die ersten Quadratmeter Land, damals noch vor den Toren Marrakechs, und ließ darin erst einen Garten anlegen, später dann eine kleine Villa. Zuvor hatte er schon in Ägypten und Marokko gelebt und war angetan von den fremden Kulturen und Welten – und von deren Farben. Immer größer wurde das Grundstück, auf dem Majorelle lebte und arbeitete, und als Fan exotischer Pflanzen ließ er hier die unterschiedlichsten Arten anbauen. Heute sind es über 300. Wege leiten den Besucher durch das übersichtliche Areal, vorbei an Brunnen und Bassins in Blau, Türkis und Gelb. Selbst bei großem Andrang ist er eine Oase, wirklich einem Paradies gleich, das man gar nicht mehr verlassen möchte.

Als Majorelle starb, drohte der Garten zu verkommen. Der berühmte Modemacher Yves Saint Laurent, der zu dieser Zeit bereits in Marrakech lebte, liebte den Garten jedoch, und als diesem die Rodung drohte, kaufte er ihn kurzerhand und ließ ihn in monatelanger Arbeit von über 20 Gärtnern wieder herrichten. Er zog für eine kurze Zeit in die Villa des Künstlers. Hier lebte und arbeitete er, bevor er im Nordteil des Gartens eine neue Villa errichten ließ, in der er bis zu seinem Tod 2008 lebte. Seine Asche ist im Park verstreut und ein Gedenkstein erinnert an den Modemacher.

Wegen der harten Kontraste durch die Schatten war das Fotografieren schwierig. Die Bilder vermitteln nur einen schwachen Eindruck von diesem wunderschönen Garten, in dem auch noch ein Berbermuseum untergebracht ist.

Das ist die Villa Oasis, in der Yves Saint Laurent lebte.

Im modernen Musée Yves Saint Laurent wird z. T. Kunst ausgestellt aber auch bestimmt drei Dutzend seiner original Haute Couture Creationen aus den 80er und 90er Jahren. Selbst für mich als Modemuffel war das sehr interessant.

Wir haben uns in den mehr als 6 Wochen in Marokko sehr wohlgefühlt. Überall haben wir freundliche, hilfsbereite und tolerante Menschen getroffen. Wie die Menschen wohnen, arbeiten und handeln ist nicht so clean und durchgestylt wie bei uns. Vieles wird noch manuell erledigt. Die Spanne zwischen arm und reich, zwischen Eselkarren und Mercedes SUV ist viel größer als bei uns. Man kann absolut sicher in Marokko reisen. Dass man in einem islamischen Land unterwegs ist, merkt man nur an der Kleidung der Leute, den Moscheen und dem Ruf des Muezzin. Die fremde Kultur, die tolle Landschaft und nicht zuletzt das Wetter sind weitere Gründe, wiederzukommen.

 

Eine kleine Statistik unserer Tour:

16 Wochen unterwegs, durch 7 Länder gefahren, ohne Pannen oder Sturz

5 Tage Deutschland

1 Belgien

1 Luxemburg

5 Schweiz

25 Frankreich

30 Spanien

45 Marokko

In Deutschland, Belgien, Schweiz und Frankreich haben wir ganz überwiegend gezeltet. In Spanien nur noch wenige Nächte, in Marokko gar nicht.

Insgesamt hatten wir sehr gutes Wetter. Von den 16 Wochen waren vielleicht 7 Regentage. In den gut 6 Wochen in Marokko hat es nur einen halben Tag lang geregnet. Eher hatten wir Hitze, in Südfrankreich und anfangs in Marokko. Die größte Hitze war Mitte/Ende September in Andalusien, als es tagelang über 35 Grad heiß war. Bei allem sind wir bis auf meine kurze Magenunpässlichkeit und je eine kleine Erkältung nie wirklich krank gewesen. Natürlich zieht und zwickt es alle zwei Tage an irgendeiner Körperecke. Solange die Stellen aber wechseln, ist das in unserem Alter doch normal 😉.

 

5250 km Rad

900 km Bus

25 km Auto

25 km Schiff

10 km Zug

 

Blogstatistik:

39 Blogbeiträge mit 1290 Fotos

über 2000 Zugriffe

 

Vor einigen Jahren, am Ende unserer Radtour durch Australien, hatte ich irgendwo diesen Spruch gelesen. Ich glaube, er passt auch ganz gut zu dieser Tour.

"Ein guter Anfang erfordert Begeisterung,

ein gutes Ende verlangt Disziplin."

Damit schließen wir vorläufig diesen Blog und bedanken uns bei allen fleißigen Leserinnen/Lesern, die uns quasi "auf dem Gepäckträger" auf dieser Reise begleitet haben. Sollten wir Anfang des neuen Jahres nochmal auf Tour gehen, könnt ihr das hierüber erfahren.

Durch das Drâa-Tal nach Zagora

Freitag, 15.11.2019

Nachdem wir uns von der Kameltour erholt und den Blog dazu geschrieben haben, sind wir am Nachmittag nochmal zu Fuß Richtung Dünen losgezogen. Kleine und große Gruppen mit Kamelen sind zu einem Abendausritt unterwegs.

Eigentlich wollten wir die große Düne von Merzouga (rechts oben im Bild) besteigen, um von dort aus den Sonnenuntergang zu sehen. Wir sind allerdings ein wenig zu spät losgegangen - zu lange am Blog geschrieben 😉. Da der Himmel aber auch nicht richtig klar ist, verzichten wir auf das Gestapfe an der steilen Dünenkante und belassen es mit einem niedrigeren Sandhügel, war auch schön.

Am Mittwoch schon um kurz nach 7 Uhr beginnt für uns die erste Etappe der Rückreise nach Marrakech. Wir könnten in einem Rutsch mit dem Bus die 630 km in gut 12 Stunden zurücklegen. Dann hätten wir aber noch 5 Tage in Marrakech bis zu unserem Rückflug am 19. November. Das ist uns zu lange in dieser wuseligen Stadt - einige Tage waren wir ja auch schon da. Deshalb haben wir uns entschieden, nur 430 km bis Ouarzazate zu fahren. 8 Stunden im Bus reichen auch. Der Bus fährt einen Bogen über Er-Rachidia, ansonsten die gleiche Strecke, die wir in der Vorwoche gestrampelt waren. Dabei ist uns nochmal richtig bewusst geworden, welch lange Wüstenetappen wir da gefahren waren und wie viele Anstiege auch dabei waren. Viele Pausenstellen haben wir wiedererkannt.

In Ouarzazate logieren wir wieder in einem schönen Lehmhaus. Die Unterkunft ist nicht ausgeschildert und nur mit Fragen finden wir den Eingang in einer winzigen Gasse. Die Zimmer liegen schön und ruhig um einen Innenhof, der Hauswirt ist sehr freundlich und hilfsbereit - wie eigentlich alle bisher in Marokko. Morgens zaubert er uns dieses bombastische Frühstück.

Wen wundert es: wir wollen nochmal 2 Tage Rad fahren, das sind aber wirklich die letzten. Es fehlt uns noch das Drâa-Tal, Richtung Südosten, 160 km bis Zagora. Die erste Etappe hat es aber in sich. Von 1100 m müssen wir in Wellen mit einigen Gegenanstiegen auf den Pass Tizi-n-Tiniffift auf 1700 m emporkrabbeln. Die Landschaft ist gebirgig, weit und einsam. Uns war im Vorfeld gar nicht bewusst, dass wir durch solch eine alpine Gegend fahren würden.

Auf der meist sehr guten Straße mit wenig Verkehr sind es 43 km bis zum Pass, die letzten km sind richtig steil. Der Himmel ist etwas milchig, das bewirkt angenehme Temperaturen zum Fahren aber kein gutes Licht für Fotos.

Vom Pass blickt man weit in die imposante, karge Berglandschaft, 800 m tiefer liegt das grüne Drâa-Tal. Die Abfahrt über 20 km ist klasse, auch wenn hier die Straße im Gegensatz zur anderen Seite noch nicht ausgebaut und neu geteert ist.

Unser Tagesziel im Tal ist die kleine Stadt Agdz. Etwas außerhalb am Rand der Palmenoase wohnen wir im Riad Tabhirte. Wieder einer dieser typischen Unterkünfte hier im Süden Marokkos, ein großzügiges Lehmhaus mit herrlichem Garten - einfach zum Wohlfühlen.

Morgens ist es sogar sonnig.

Das ist die Zimmerdecke in unserem schönen Raum. Die Balken aus dem Stamm einer Palme, das Geflecht aus Schilfrohr.

Der/die? Drâa ist mit über 1100 km der längste Fluss Marokkos, allerdings ein sehr ungewöhnlicher. Seinen Ursprung hat er in den Bergen des Hohen Atlas. Bei Ouarzazate füllt er einen großen Stausee und fließt dann durch das Drâa-Tal im eigentlichen Sinne bis hinter Zagora. Dieser Abschnitt ist eine der größten Flussoasen Marokkos mit einer Unmenge an Dattelpalmen. Man schätzt, dass es etwa 1,3 Millionen sind. Hierher kommt der Großteil der marokkanischen Dattelproduktion. In regenreichen Jahren fließt der Drâa noch etwas weiter nach Süden. Dann versickert er im Sand der Sahara. Das Tal macht dann einen Knick nach Südwesten und angeblich fließt der Drâa hier unterirdisch weiter. Weit im Süden Marokkos mündet er dann in den Atlantik.

Am Freitag, 15. November ist definitiv unser letzter Radtag. Dazu hat Petrus noch einmal richtig ausgeholt: blauer Himmel, angenehm warm aber nicht zu heiß und meist ein guter Rückenwind. Dazu eine neue ganz glatte Straße mit einem Radstreifen auf der ganzen Etappe von 95 km. Die Landschaft wunderschön. Fast immer verläuft die Straße am Rand der riesigen Palmenoase, begleitet von eindrucksvollen Bergmassiven. Die Felsstruktur erinnert an den Grand Canyon.

Mächtige Kasbahs liegen entlang des Weges.

Hier werden Körbe aus Schilfrohr geflochten und verkauft.

oben: superglatte Straße mit extra Radspur, was will man mehr?

unten: von einer Anhöhe hat man einen weiten Blick über die riesige Palmenoase.

Nach 95 km rollen wir in Zagora ein. Beim Büro der Busgesellschaft CTM erkundigen wir uns schon mal, wo und wann genau morgen der Bus nach Marrakech abfährt. Die Tickets hatten wir schon vor 2 Tagen in Ouarzazate gekauft.

Am südlichen Ortsausgang von Zagora steht dieses berühmte Schild. Die Stadt lag an der wichtigen Karawanenroute von Marrakech nach Timbuktu im heutigen Mali. Von hier aus waren es noch 52 entbehrungsreiche Tage durch die Sahara.

Hier haben wir den südlichsten Punkt unserer Tour und gleichzeitig auch deren Endpunkt erreicht. 5250 km sind wir in 3,5 Monaten gefahren, alles ohne Pannen oder Sturz. Jetzt geht es nur noch mit Bus und Flugzeug zurück nach Hause. Vor unserem Abflug am Dienstag, 19. November werde ich mich nochmal aus Marrakech melden.

In den Dünen des Erg Chebbi

Dienstag, 12.11.2019

Am Sonntag, 10. November ist unser (vorläufig?) letzter Radtag auf dieser Tour. Von Erfoud bis nach Merzouga an den großen Dünen des Erg Chebbi sind es nur noch 50 km. Die kleine Straße R702 ist nicht so glatt wie wir uns das erhofft hatten, obwohl sie erst seit wenigen Jahren geteert ist.

Auf den ersten 20 km verläuft sie meist wieder durch eine flache Steinwüste. Einige kleine felsige Rücken sind eingestreut. In dieser Gegend findet man viele Fossilien, die in einfachen Verkaufsständen ausgestellt sind. Nach einer kleinen Kuppe liegt unser Ziel dann vor uns: die großen Dünen des Erg Chebbi. Hier beginnt die Sahara und wir sind nur noch ca. 20 km von der algerischen Grenze entfernt.

Erg heißt Sandwüste. In ganz Marokko gibt es nur zwei Ergs und dieser ist mit 22 km Länge und 4-5 km Breite der größte. Die Dünen sind bis zu 200 m hoch. Leider ist es seit Tagen zum ersten Mal ziemlich bedeckt und deshalb das Licht etwas trübe. Trotzdem ist der Anblick sehr eindrucksvoll.

Wir beziehen unser Quartier Chez Youssef in Merzouga. Damit haben wir nach insgesamt 5070 km den am weitesten entfernten Punkt unserer diesjährigen Tour erreicht.

Im Licht der untergehenden Sonne mit Blick auf die Dünen stellt sich wirklich ein Saharafeeling ein - auch wenn eine blöde Stromleitung sich ins Bild gemogelt hat.

Am Vormittag des nächsten Tages haben wir es nicht eilig. Gegen Mittag bummeln wir von unserem Quartier (Bild unten) ins Dörfchen. Viel los ist nicht, einige Cafés, Restaurants und Tourbüros - die Anzahl der Touristen hält sich in Grenzen. Unser Hauptziel gilt dem Gebäude der Busgesellschaft Supratours am Ortsrand. Für die 2 Busse - in Worten: zwei - die hier täglich abfahren, ist der neue Kasten völlig überdimensioniert. Außer uns sind auch keine Kunden da. Wir erstehen unsere Tickets für den 13.11. nach Ouarzazate, 155 DH = 15 € p.P. für eine Strecke von 430 km. Damit beginnt dann unsere erste Etappe der Rückreise nach Marrakech.

Im Quartier berichten uns eine deutsche Familie und ein holländisches Paar aus Texel über ihr Camp-Abenteuer, verraten aber nicht zu viel, damit es auch für uns spannend bleibt. Wir packen jeder eine Radtasche, da kommen z. B. Schlafsack, Anorak und Leggings rein. Unser Hauswirt Youssef hat uns die Tour organisiert. Gegen 16:30 Uhr starten nur Lisa und ich mit den beiden Führern Hassan, 23 Jahre, und Mohammed, 16 Jahre, und 4 Kamelen zu unserem Trip. Direkt neben dem Haus geht's los.

Im folgenden seht ihr Bilder dieser eindrucksvollen Tour. Die Auswahl fiel uns schwer, deshalb sind es ein paar mehr.

Kurz hinter dem Dorfrand passieren wir den alten Friedhof. Nach islamischem Brauch werden die Toten in ein weißes Laken gehüllt bestattet. Der Leichnam liegt auf der rechten Körperseite mit Blick nach Mekka. Ein Stein markiert jeweils Kopf- und Fußende.

Man sitzt ganz gut auf so einem Kamel. Der Sattel hat so eine Art Fahrradlenker zum Festhalten. Die Tiere liegen auf ihren zusammengeklappten Beinen, so dass man aufsteigen kann. Wenn sie sich dann aufrichten, muss man sich gut festhalten. Das Schaukeln beim Gehen hält sich im Sand in Grenzen. Wenn die Tiere auf hartem Untergrund laufen oder es im Sand steiler bergab geht, ruckelt es deutlich mehr.

Zwei Kamele vor der großen Düne von Merzouga.

Man ist hier nicht alleine. Aber der Andrang hält sich in Grenzen und die anderen Karawanen liefern schöne Fotomotive.

Unsere Schatten im Licht des späten Nachmittags.

Eher stören die Spuren der Quads, die hier überall durch den Sand gefahren sind. Hier kommt uns auch eine Gruppe mit asiatischen Touristen entgegen. Insgesamt fuhren aber nicht viele und das meist weiter entfernt.

Nach 1,5 Stunden und ca. 6 km Marschweg halten wir kurz vor Sonnenuntergang in einer großen Mulde. Während die beiden das Lager aufbauen, steigen Lisa und ich auf eine kleine Düne, um von dort den Sonnenuntergang zu sehen.

Weit reicht der Blick über die sandige Welt.

Hassan und Mohammed haben für uns sogar einen Campingtisch und zwei Stühle aufgebaut. Sie haben einen Gaskocher dabei und machen uns ein richtig gutes Abendessen - auf weißer Tischdecke und mit Stoffservietten. Später entfachen sie aus mitgebrachtem Holz ein Lagerfeuer und machen Musik mit einer Bongo und Metallschellen.

Noch vor Sonnenaufgang steigen Lisa und ich am anderen Morgen wieder auf "unsere" Düne. Der Himmel ist klar - es war übrigens fast Vollmond - aber ein Nebelschleier liegt über der Landschaft. Die Sonne kämpft sich hindurch und produziert ein surrealistisch rotes Licht.

Währenddessen deckt Mohammed schon mal unseren Frühstückstisch - rechts das Zelt, in dem wir gut geschlafen haben. Nachts waren es 10 Grad, das war gut auszuhalten. Auf dem Bild unten fehlt noch das Rührei, das sie uns auch noch bereitet haben.

Die Kamele verbringen die ganze Nacht etwa 50 m weiter im Liegen mit zusammen gebundenen Beinen. Futter oder Wasser bekamen sie nicht. Morgens sah man sie beim Wiederkäuen.

Das sind unsere Reitkamele, für Lisa das helle, für mich das dunkle. Alle 4 Kamele waren ganz artig und haben weder gebissen, getreten oder gebockt.

Gegen 9:15 Uhr ist alles wieder abgebaut und verpackt. Wir machen uns auf den Rückweg.

Ein wunderschönes Erlebnis und sicher ein Highlight unserer gesamten Tour. Danke an Hassan und Mohammed.

 

Bis an den Rand der Sahara

Samstag, 09.11.2019

Meinem Bauch geht es wieder besser und so können wir am Donnerstag Morgen zu der Tagestour in die Todhraschlucht starten. Von unserem Quartier sind es knapp 15 km. Bis auf einen steileren Anstieg geht es ganz gemütlich das zunächst noch weite Tal hinauf.

Kurz nach diesem Verkehrsschild treffen wir einen deutschen Reiseradler. Es ist Uwe aus Augsburg, 61 Jahre alt. Er ist schon seit über 4 Jahren auf Weltreise. Bestimmt eine halbe Stunde quatschen wir am Straßenrand. Einige Strecken in Südamerika sind wir ganz identisch gefahren. Er ist ein etwas alternativer Typ und will noch den ganzen Winter in Marokko bleiben. Schon seit 10 Tagen zeltet er auf einem kleinen Campingplatz in der Nähe.

So langsam verengt sich das Tal und plötzlich scheint es nicht mehr weiter zu gehen. Die senkrechten Wände sind bis zu 300 m hoch und und am Grund der Schlucht ist auf 20 m Breite gerade Platz für den Bach und die Straße.

An dem Pfeiler in Bildmitte entdecken wir 2 Kletterseilschaften. Es herrscht ein reger Touristenandrang, selbst große Reisebusse fahren bis in die enge Schlucht. Die Souvenierhändler haben ihr volles Repertoire aufgebaut. Insgesamt sind hier viel mehr Touristen als vor ein paar Tagen im Dadestal.

Blick zurück. Im Grund der Schlucht ist es richtig dunkel, mein Fahrrad im Vordergrund ist kaum zu sehen. Nach etwa 500 m weitet sich das Tal wieder. Wir fahren noch ein kurzes Stück, kehren dann aber um. Die Straße geht aber weiter und führt sogar mit einem Pass über den Hauptkamm des Hohen Atlas nach Norden.

Wir rollen das Tal wieder runter. Da kommen uns wieder Reiseradler entgegen. Diesesmal sind es Italiener, Michele und Lorenzo aus der Gegend von Turin. Sie sind Mitte August zuhause gestartet und auch bis hier mit den Rädern gefahren, allerdings mehr durch Nordspanien und Portugal. Sie waren schon bei den Dünen von Merzouga und sind jetzt wieder auf dem Weg nach Norden, um eine Fähre von Tanger nach Genua zu nehmen. Sie campen fast immer wild, auch in Marokko. Lorenzo, der mit dem roten Stirnband, hatte in Marokko einen Sturz. Er hat sich am Rücken und am Bein verletzt und das Radfahren fällt ihm schwer. Bei uns ist zum Glück bisher alles heile geblieben.

Im unteren Teil des Tales gibt es wieder schöne Perspektiven auf die Flussoase der Todhra und die z. T. verfallenen Lehmdörfer.

An einem markantem Aussichtspunkt haben die Händler ihre Souvenierstände aufgebaut. Gerade kommt ein Reisebus mit asiatischen Touristen. Da sind wieder Selfies angesagt.

Am späten Nachmittag führt uns noch ein Freund unseres Hausmanagers durch den Souk und die Oase. Er kann natürlich eine Menge erklären, z. B. dass in den Oasenfeldern viel Luzerne angebaut wird - als Futter für die Esel, die er liebevoll "Berberferrari" nennt.

Aus zwei schmalen Blättern der Dattelpalme kann er im Handumdrehen ein kleines Dromedar flechten.

Zum Schluss besuchen wir noch ein Haus, in dem die Frauen Teppiche knüpfen. Es wird Wolle von Schaf oder Kamel verarbeitet. Ein Kamel kann man nur alle 3 Jahre schären, ein Schaf jedes Jahr. Zuerst wird die Wolle gekämmt und dann versponnen. Er betont, dass hier alles in Handarbeit geschieht und nur Farben aus natürlichen Rohstoffen verwendet werden.

Auf dem unteren Bild sieht man rechts die Rohwolle, in der Mitte die Wolle ist bereits gekämmt. Das Zeichen unten auf dem Webteppich ist der letzte Buchstabe des Berberalphabets und steht auch für Glück.

Auch wenn wir keinen der schönen Teppiche kaufen, gibt es noch einen Tee. Zum Einschütten muss der Strahl aus bestimmt 30 cm Höhe das schmale Glas treffen. Der Sinn ist der, dass sich dadurch oben auf dem Tee im Glas etwas Schaum bildet. Ohne diesen Schaum wäre es kein wirklicher Berbertee.

Am nächsten Morgen sind wir bei kühlen 9 Grad wieder auf der Straße - flache Wüste, wie gehabt.

Schon nach knapp 50 km machen wir bereits um 13 Uhr in Tinejdad Schluss für heute. Bei den guten Bedingungen könnten wir noch gut weiterfahren, aber auf den nächsten 90 km gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit. In einem alten, aber sehr gut restaurierten Lehmdorf, einem Ksar, beziehen wir unser Quartier. Angeschlossen ist ein sehr interessantes Museum, das die Lebens- und Wirtschaftsweise der Oasenbewohner zeigt.

Die oberen Bilder zeigen die Herstellung einer Wand aus Stampflehm. Ähnlich wie beim Betonieren wird mit einer Verschalung gearbeitet.

Das Ganze wird in mehreren Sprachen erklärt. Unten links in der Berberschrift, unten rechts in arabisch.

Im letzten Tageslicht sitzen wir noch auf der Terrasse und trinken einen Tee. Der Minztee war im Norden Marokkos besser als hier im Süden. Lisa hat übrigens heraus gefunden, dass wir hier im Moment etwa die gleiche Sonnenaufgangszeit haben wie in Deutschland. Der Sonnenuntergang ist aber auf Grund der südlichen Lage um 1 h 20 min später.

Heute am Samstag haben wir einen langen Tag, unser vorletzter Radtag. Eigentlich wollten wir schon um 8:30 Uhr fahren, haben dann aber lange mit einen Schweizer Paar, Vater und Tochter, beim Frühstück gequatscht. Erst 1 Stunde später sind wir losgekommen. Leider ist die Straße heute ziemlich rauh und hoppelig, das macht für das Rollen enorm etwas aus. Auch der Rückenwind der letzten Tage hat sich zum leichten Gegenwind gewandelt. Fotos haben wir heute keine gemacht, weil die Landschaft ähnlich aussieht wie in den letzten Tagen. Wir kommen durch einige Oasenorte, die aber alle wenig ansehnlich sind. Zwischen der Teerstraße und den Häusern gibt es keinen Bürgersteig oder Vorgarten, nur Sand und Staub. In der Oase Jorf sind auch noch ca. 5 km im Ort rumpelige Baustelle. Im letzten Drittel der Strecke haben sich Wind und Straßenzustand etwas gebessert. Um 17:30 Uhr rollen wir nach 94 km an unserem gebuchten Hotel in Erfoud ein, gerade rechtzeitig vor einem großen Reisebus mit Asiaten. Kurz darauf kommen zwei weitere Reiseradler an. Das junge Paar aus New York fährt mit dem Rad 10 Tage von Fes nach Marrakech. 

Die angestammte Bevölkerung hier im Süden Marokkos sind die Berber. Sie leben schon seit Jahrtausenden hier. Man kann sie von den Arabern unterscheiden, weil sie dunkelhäutiger sind. Sie sind stolz und wollen auch nicht als Araber bezeichnet werden. Die Araber kamen erst ab dem 8. Jh aus dem östlichen Nordafrika hierher. Sie brachten den Islam und übernahmen mehr und mehr die Macht. Auch das heutige Königshaus hat arabische Wurzeln. Die Sprache der Berber wurde lange Zeit unterdrückt, wurde in den Schulen nicht gelehrt und war keine offizielle Amtssprache. Erst in den letzten Jahrzehnten unter dem neuen König Mohammed VI hat sich das geändert. Beschriftungen an öffentlichen Gebäuden sind jetzt in Arabisch und in der Berberschrift Tifinagh. Die Buchstaben haben eine Verwandtschaft mit dem Phoenizischen. Hier zwei Beispiel für Städtenamen in Französisch, Tifinagh, Arabisch:

Marrakech   ⵎⵕⵕⴰⴽⵛ   مراكش
Ouarzazate   ⵡⴰⵔⵣⴰⵣⴰⵜ   ورزازات

Das Dadestal und die Oase Tinghir

Mittwoch, 06.11.2019

Von der Oase Skoura aus fahren wir weiter das Dadestal aufwärts. Meistens sieht es aber gar nicht nach Tal aus und man erkennt auch keinen Fluss. Das nächste Bild vermittelt besser die Art der Landschaft - Steinwüste fast ohne Vegetation soweit das Auge reicht.

Einige Male verengt sich aber das Tal und in den Flussoasen gibt es kleine Ansiedlungen. Hier sogar mit einer schönen Felsformation.

Fast alle älteren Gebäude sind aus Lehm. Wenn sie nicht ständig in Stand gehalten werden, verfallen sie schnell. Die neueren Häuser sind aber meist aus Stein oder Beton.

Nach 70 km liegt die größere Stadt Boumalne malerisch am Hang des Tales.

Hinter Boumalne wird das Dadestal richtig eng und dadurch auch interessant. 6 km hinter Boumalne beziehen wir für 2 Nächte unser Quartier im Jardin du Dades, hier der Blick von der Terrasse, auf wir auch gefrühstückt haben.

Die nächsten 25 km bis zu einer Engstelle sollen den schönsten Teil des Tales bilden. Da es aber ziemlich bergauf geht, hat uns unser Hauswirt einen Pickup besorgt, der uns samt den Rädern hinauffährt. Der Preis ist üppig, der Fahrer hat sicher einen guten Deal gemacht. Aber egal, wir sind oben und brauchen nur runter zu fahren. Das "nur" gilt allerdings eingeschränkt wegen einiger heftiger Gegenanstiege.

Vom Restaurant Timzzillite, an dem uns der Fahrer rausgelassen hat, fahren wir noch ein kleines Stück weiter ins Tal hinein. Hier geht es noch weiter in das karge Gebirge.

Auf dem unteren Bild blicken wir von gleicher Stelle jetzt talabwärts. Links oben erkennt man die Straße hoch über dem Fluss.

Das Restaurant Timzzillite klebt wirklich abenteuerlich an der Kante des Felsabbruchs. So schaut man von der Terrasse auf die Serpentinen, die wir gleich mit den Rädern hinunter rollen werden.

oben und unten: Lisa bei der Abfahrt

Weiter unten weitet sich das Tal wieder. Obwohl nur direkt im Flusstal Landwirtschaft möglich ist, ist fast das ganze Tal besiedelt. Kaum vorstellbar, wovon die Leute alle leben.

Tolle Felsformationen

oben: eine kleine Pension mit wunderbarer Aussicht

Die Siedlungen befinden sich alle außerhalb des Talbodens. Der wird für raffiniert bewässerte Felder genutzt. Die Feldarbeit erfolgt ausschließlich manuell. Wir haben keinen Traktor o. ä. gesehen, höchstens mal einen Esel.

Im Ort Boumalne finden wir auf einer Hauswand diese etwas verblichenen Gemälde, die aber schön die Bauweise der Kasbahs im Dadestal zeigen.

Wir fahren auf der Straße RN 10 weiter nach Osten bis Tinghir. Fast die ganze Strecke von 50 km ist Wüste. Zum Glück ist der Wind heute unser Freund. Die Straße ist glatt und führt meist ganz seicht bergab. Für die 50 km benötigen wir nur 3 Stunden - einer der besten Rückenwindtage der Tour. In der Sonne ist es heiß und wir müssen öfter Trinkpausen einlegen. Einmal ist in der Nähe ein Junge alleine mit seiner Ziegenherde in der schattenlosen Wüste. Als er uns sieht, kommt er näher und signalisiert uns, dass seine Wasserflasche leer ist. Wir geben ihm Wasser und ein paar Kekse und er ist glücklich.

Außer uns sind noch weitere Kamele unterwegs, genauer gesagt sind es Dromedare.

Etwas außerhalb der Stadt quartieren wir in einem Lehmdorf in einer richtigen Kasbah, das Haus in Bildmitte mit den Fenstern.

Eigentlich wollten wir heute mit den Rädern als kleine Tagestour in die Todhraschlucht fahren. Ich habe jetzt aber schon den 3. Tag Magenprobleme - die ganzen 3 Monate bisher war es bestens. Wir machen deshalb am Nachmittag nur eine kleine Wanderung in die umliegenden Oasenfelder. Man erkennt gut die  Parzellen, die durch kleine Gräben bewässert werden können. Dazwischen verlaufen schmale Trampelpfade. Alles wird von Hand bearbeitet, so wie wir im Garten arbeiten würden.

Wir bleiben noch eine dritte Nacht hier im Quartier und hoffen, dass wir morgen die Tour in die imposante Todhraschlucht machen können. Danach wären es noch 3 Tage Fahrt bis zu den großen Dünen des Erg Chebbi bei Merzouga.

Vom Hohen Atlas auf die Straße der Kasbahs

Samstag, 02.11.2019

 

Im letzten Blog hatte ich ja schon geschrieben, dass wir mit den Rädern noch weiter nach Süden fahren wollen, das erste Stück aber mit dem Bus zurücklegen.

Nachdem alles Gepäck und unsere Räder verstaut sind, startet unser Bus planmäßig um 11:15 Uhr Richtung Hoher Atlas. Für die gut 110 km bis auf die Passhöhe des Tizi-n-Tichka auf 2260 m Höhe braucht er 2 h 20 min. Dort lässt der Busfahrer uns aussteigen. Wir ziehen die Windjacken an, aber besonders kalt ist es nicht. Mit Blick auf den Südabhang des Passes starten wir zur Abfahrt.

Diese Seite ist wesentlich trockener und ockerfarbene Felshänge bestimmen das Bild.

Auf den ersten Blick sieht die Straße ja gut aus, das täuscht aber. Weite Strecken - v. a. im unteren Teil - sind eine wahre Rumpelpiste mit DIN-A5 großen Bruchstücken und tiefen Rillen dazwischen.

Seit Jahren! wird wohl am Ausbau der Straße gearbeitet. Deshalb gibt es viele, zum Glück meist kurze, staubige Baustellen. Die reine Freude ist diese Abfahrt nicht und wir kommen nur recht langsam voran.

Dafür ist die Landschaft äußerst eindrucksvoll, besonders jetzt am späten Nachmittag ist das karge Tal in ein warmes Licht getaucht.

Heute ist Allerheiligen - und was haben wir für ein Wetter!

Von unserem schönen Quartier, dem Dar Tisselday, rollen wir weiter das Tal hinab. Die Straße ist jetzt besser und der Wind schiebt uns gut voran. Die Landschaft ringsum ist eine Steinwüste und nur, wo der kleine Fluss etwas Wasser spendet, gibt es Grün. Dort wachsen Dattelpalmen, aber auch Gemüseanbau ist möglich.

Eine herrliche Strecke bei bestem Licht.

An einem kleinen Café steht dieses Wohnmobil Mercedes MB 100 mit Ausbau der Firma Luna. Wer uns schon länger kennt, weiß, dass wir genau das gleiche von 1991 bis 2003 besessen haben.

Das ist doch bestimmt der Fußballplatz des FC Sandhausen.

Nach 30 km biegen wir links in ein Seitental ein. Es geht wieder etwas aufwärts zum kleinen Ort Aït Ben Haddou mit der gleichnamigen Kasbah. Eine Kasbah ist ein Wehrbau aus Lehm, manchmal richtig groß und verschachtelt wie ein ganzes Dorf. Aït Ben Haddou lag an der wichtigen Karawanenroute von Marrakech nach Timbuktu im heutigen Mali.

Nach nur 40 km erreichen wir schon um 13:30 Uhr unser Quartier. Es ist ziemlich heiß und wir halten erstmal ein Nickerchen im schattigen Zimmer. Am Spätnachmittag machen wir uns dann zur Besichtigung der Kasbah auf. Der Kern stammt schon aus dem Mittelalter, ein Teil wurde allerdings erst vor wenigen Jahrzehnten hinzugebaut, weil die Kasbah schon häufig als Filmkulisse gedient hat. Nicht weit entfernt in Ouarzazate liegen die Atlas-Filmstudios. Hier wurden schon viele Filme gedreht, in denen "Wüste" in irgendeiner Form Thema ist.

Ein Schwenk von der Spitze des Hügels von links nach rechts.

oben: Nochmal ein Blick aus der Nähe

unten: Von der Spitze des Hügels sieht man auch die andere Seite, karge Wüstenlandschaft

Am Samstag Morgen müssen wir die 9 km bis zur Hauptstraße wieder zurück fahren. Die Luft ist noch kühl, der Wind schiebt uns seicht bergab - also kein Problem. Wir sind endgültig im Land der Kamele angekommen.

Wieder auf der Hauptstraße RN 9 angekommen geht es eine leichte Steigung hinauf und man hat einen schönen Blick auf die Flussoase des Assif Iriri.

Bis Ouarzazate ist es jetzt nicht mehr weit. Einige Kilometer vor den Toren der Stadt liegen die schon erwähnten Atlas Filmstudios. Auf dem übernächsten Bild ist ein ägyptischer Tempel samt Sphinx zu sehen, alles aus Pappmache.

Die Kids haben hier sogar so etwas wie einen Rasenplatz.

Ouarzazate ist mit etwa 150.000 Einwohnern die größte Stadt im südöstlichen Marokko. Sie ist sehr sauber mit vielen neueren, ockerfarbenen Gebäuden im Berberstil. Die Filmindustrie scheint eine Menge Geld in die Stadt gebracht zu haben. Wir machen Pause und verlängern u. a. unsere marokkanischen SIM-Karten, weil die ersten 30 Tage übermorgen ablaufen.

Hier steht natürlich auch eine Kasbah, nämlich Taourirt. Man kann sie besichtigen, wir haben nur ein paar Bilder von außen gemacht.

Von Ouarzazate fahren wir weiter nach Osten ins Dadestal auf der eigentlichen Straße der Kasbahs. Viele dieser Lehmbauten sieht man rechts und links der Straße. Einige sind mittlerweiler zu Hotels umgebaut worden, andere sind halb verfallen. Ein solcher Lehmbau verlangt ständige Pflege und Instandhaltung.

Die Landschaft, durch die wir fahren, ist eine Stein- und Lehmwüste ohne jegliche Vegetation. Die Straße ist wellig, weil immer wieder trockene Quertäler überwunden werden müssen. Der Blick geht unheimlich weit, zur linken begleitet von den Bergen des Hohen Atlas. Es hat mich sehr an die Fahrt durch Utah letztes Jahr erinnert. Der Straßenbelag ist recht glatt, die Fahrspuren aber nicht besonders breit und ohne Seitenstreifen. Also heißt es wieder Spiegel benutzen und gut aufpassen.

Nach gut 40 km kommen wir in die Palmenoase Skoura, eine der größten und schönsten Marokkos. Hier haben wir ein Zimmer in einer Herberge gebucht, die wie eine Kasbah aussieht. Man kann gut die Bauweise aus Stampflehm vermischt mit geheckseltem Stroh erkennen. Rund herum ein Meer von Dattelpalmen.

Eine Dattelpalme und ihre Früchte

Blick aus unserem Zimmer Richtung Hoher Atlas

Das Klima hier auf der Südseite des Hohen Atlas ist deulich anders als auf der Nordseite - nämlich viel trockener. Deshalb ist die Landschaft zum großen Teil wüstenartig, aber hier noch keine Sandwüste mit Dünen. Nur in den Flussoasen sieht man Grün. Das Wetter war in den letzten Tagen immer sonnig, manchmal mit ein paar Schönwetterwolken. Die Temperatur liegt im Schatten bei 27 - 29 Grad, aber Schatten gibt es praktisch nicht und die Sonne strahlt sehr intensiv. Die Luftfeuchtigkeit liegt nur bei gut 30% und wir haben viel Durst und trockene Lippen. Abends und nachts kühlt es gut ab. Für die nächsten 7 - 10 Tage ist die Wettervorhersage ähnlich, wobei die Temperaturen auf 22 - 24 Grad runter gehen.

Marrakech

Mittwoch, 30.10.2019

Nach einem späten Frühstück in unserem schönen Quartier sind wir auf die letzte Kurzetappe nach Marrakech erst um 10:30 gestartet. Es sind nur noch 24 km, der Wind steht heute gut und auf der flachen Straße rollt es prima. Auf den letzten Kilometern gibt es auf der 4-spurigen Straße sogar einen eigenen Radstreifen. Der Verkehr nimmt zwar zu, aber wirklich stressig ist die Einfahrt nicht. Das letzte Stück entlang eines belebten Marktes und durch kleine Gassen zu unserem Riad am Rande der Medina ist etwas wuselig.

Der Innenhof unseres Riad mit der Hausschildkröte. Die Fahrräder stehen im Brunnen, der zum Glück leer ist. Im Vergleich zu den anderen Riads, in denen wir schon waren, ist dieser noch ursprünglicher und nicht so herausgeputzt. Es gibt nur vier Zimmer. Die Betreiber sind sehr nett und wir fühlen uns in unserer Suite sehr wohl. Vier Nächte sind wir insgesamt hier.

Am Nachmittag machen wir uns zu einer ersten Stadterkundung auf. Unser Hauswirt hat uns einen guten Plan mitgegeben und den Weg zum Djemaa el Fna, dem Hauptplatz in der Medina, erklärt. Das Angebot an Waren aller Art und Souvenirs ist ähnlich wie in Fès, vielleicht etwas pfiffiger. All die Schuhe und Taschen müssen wir ja nicht nochmal fotografieren, es wiederholt sich auch vieles. Nach Tétouan, Meknès und Fès ist das hier schon unsere vierte Medina. Trotzdem ein paar Bilder von Motiven, die wir noch nicht im Blog hatten.

Hier wird alles ohne Umverpackung verkauft, unter Umweltgesichtspunkten ganz modern.

Der Platz Djemaa el Fna ist das Herz von Marrakech. Hier trifft Okzident auf Orient. Gaukler, Schlangenbeschwörer, Geschichtenerzähler, sowie allerlei Marktstände mit Ess- und Trinkbarem. Dazu ein Unmenge an Touristen, viel mehr als z.B in Fès. Jetzt am Nachmittag ist alles noch überschaubar, abends ist das Flair aber noch ein ganz anderes.

oben: Es gibt noch die kundigen Schreiber, denen man Schriftstücke aller Art diktieren kann.

unten: Rund um den Platz gibt es eine Reihe Cafés, von deren Dachterrassen man einen guten Überblick auf den Platz hat. Die Preise sind 2 - 3 mal so hoch wie im eher wenig touristischen Meknès.

Zwei vollverschleierte Frauen auf einem Motorroller mit Stützrädern. Hier in Marrakech sieht man übrigens deutlich mehr von ihnen als in den Regionen, wo wir bisher waren.

An unserem vorläufige letzten Nachmittag und Abend sind wir noch einmal auf den Platz gegangen. Hier unsere Eindrücke:

 

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Lisa steht der Hut nicht wirklich gut - aber was soll's.

Einige Aufnahmen vom Schlangenbeschwörer gehören natürlich auch dazu, auch wenn ich dafür 20 Dirham = 2 € bezahlt habe. Die Fotos waren mir das wert.

Sandvipern und silbrig glänzende Kobras

Nach all dem Rummel - die Geräusche und Gerüche kann der Blog ja nicht wiedergeben - haben wir die Ruhe einer Aussichtsterrasse aufgesucht, diesesmal auf der anderen Seite des Platzes als vor drei Tagen. Blick über den Platz mit seinen Marktständen. Einer der Berge im Hintergrund ist der Djebel Toubkal, mit 4167 m der höchste Berg Nordafrikas.

Mit dem Dunkelwerden schlendern wir Richtung Heimat, mit einem letzten Blick auf die Koutoubia-Moschee.

In der Medina sind viele Eselfuhrwerke unterwegs. Die Esel haben ein hartes Los, häufig stehen sie angebunden in der Sonne.

Nicht weit von unserem Quartier liegt in einer Parallelstraße das Fotografiemuseum. Im Laden gegenüber werden Messingartikel verkauft.

Das Museum, das in einem Riad untergebracht ist, ist wirklich sehenswert. Gezeigt werden schwarz-weiß Fotos aus der Zeit von 1870 bis 1950. Durch die Portraits und Landschaftsaufnahmen wird das Marokko vor hundert Jahren sehr lebendig.

Von einem kleinen Café auf der Dachterrasse blickt man wunderbar über die Stadt bis zu den Bergen des Hohen Atlas.

Am folgenden Tag machen wir uns mit den Fahrrädern auf Tour. Bis zum Abend kommen 15 km zusammen, das möchten wir nicht alles zu Fuß laufen. Als erstes fahren wir zum Palais Bahia. Davor, wo auch einige Mopeds stehen, schließen wir die Räder an. Es sind da auch immer "Aufpasser", die für ein paar Dirham ein Auge auf die Räder haben. Das Radfahren in Marrakech, speziell in den engen Gassen der Medina, ist schon etwas für Fortgeschrittene. Anders als bisher, kurven hier viele Motorroller mit ziemlichem Speed herum. Dazu kommen jede Menge Fußgänger mit und ohne Handkarren, einheimische Radfahrer, Eselgespanne und Straßenhändler. Man braucht schon ein robustes Nervenkostüm, aber wir haben ja lange genug in Asien geübt.

Das Palais Bahia wurde 1886 von einem hochrangigen Berater des Sultans erbaut und später von dessen Sohn erweitert. Der Palast sollte der prunkvollste sein, den Marrakech je hatte, und so nannte man ihn „al Bahia“ (der Strahlende). Der Palast macht seinem Namen alle Ehre! Er umfasste nach seinem Ausbau 1894 rund 80 000 m2 und neben zahlreichen Zimmern, Salons und Innenhöfen auch mehrere Gärten sowie einen kleinen Park mit Orangen- und Bananenbäumen, eine Moschee und einen Hammam. Heute ist er im Besitz des Königs und nur ein Teil der 150 Zimmer ist zugänglich. Wir fanden den Besuch sehr lohnend, wenn auch sehr viele andere Touristen da waren. Neben den uns schon bekannten verschnörkelten Stuckarbeiten fanden wir die bemalten Holzdecken in den diversen Räumen sehr eindrucksvoll. Die nächsten Bilder sind alle aus diesem Palais - es hat etwas von der Alhambra in Granada.

Der nächste Stopp ist gar nicht weit entfernt bei der Moschee de la Kasbah. In einem Nebengebäude sind Gräber aus der Saadier-Zeit im 16. Jh. Sie waren lange Zeit zugemauert und wurden erst im 20. Jh. wieder entdeckt. Deshalb haben sie unzerstört überdauert. Wirklich interessant und sehenswert auf dem Gelände ist eigentlich nur ein Grabraum. Dafür mussten wir aber mehr als 40 Minuten z. T. in der Sonne in einer Schlange anstehen, weil durch einen kleinen Torbogen immer nur 2 bis 3 Leute hineinschauen können.

Der Grabraum ist wirklich prachtvoll, v. a. auch die goldverzierte Decke. Lisa hat alles auch in einem kleinen Film festgehalten.

Weiter ging unsere Tour zur Koutoubia-Moschee. Es ist die größte und bedeutendste Moschee von Marrakech mit Platz für 25.000 Gläubige und einem 70 m hohen Minarett.

Nicht alle Palmem sind echt, die linke ist ein getarnter Handy Sendemast.

Direkt an der Stadtmauer am Rande der Altstadt liegt das Hotel La Mamounia, das nobelste Traditionshotel der Stadt. Dafür reicht unsere Reisekasse leider nicht aus und den erforderlichen feinen Zwirn haben wir auch nicht dabei 😉.

Westlich der Altstadt liegt die Neustadt mit schicken Stadtvierteln wie Guéliz und Hivernage. An breiten Boulevards reihen sich noble Hotels, Einkaufsmalls und Restaurants. An einer großen Straßenkreuzung liegt das Theatre Royal und diametral gegenüber der moderne Bau des Bahnhofs. Hier treffen wir ein junges Radlerpaar aus Wuppertal, die in einem Lastenrad ihren 11 Monate alten Sohn spazieren fahren. Sie sind in Agadir gestartet und fahren durch Marokko.

Ansicht des Bahnhofes von außen und innen.

Auf dem Rückweg zum Quartier fahren wir noch bei einem großen, gut sortierten Radladen vorbei. Sie kürzen meine Kette, die sich doch sehr gelängt hat und schon einmal abgesprungen ist. Mit einem Wasserschlauch und Shampoo dürfen wir die staubigen Räder sauber machen. Hier können wir auch vor unserem Abflug Kartons zum Verpacken der Räder bekommen. Sie haben sogar angeboten, uns samt Gepäck und Rädern in einem Shuttle zum Flughafen zu bringen. Das wäre natürlich gut, aber noch ist es ja nicht so weit.

Im Laden haben sie eine coole Lampe aus verschieden großen Radfelgen. Lisa meint, so etwas könnte ich über den Winter doch auch mal bauen.

Entlang der Stadtmauer ist ein Gebrauchtwarenmarkt, wo es wirklich alles gibt.

Wir haben uns jetzt entschieden, wie wir die restliche Zeit nutzen wollen: wir wollen nochmal Rad fahren! Da ist für alle Fälle eine neue Tube von obiger Creme nicht schlecht. Für Donnerstag, 31.10., haben wir Bustickets nach Ouarzazate gekauft. Die Räder kann man problemlos mitnehmen. Die Stadt liegt auf der Südseite des Hohen Atlas. Auf dem Pass Tizi-n-Tichka in 2260 m Höhe wollen wir aber aussteigen und die Abfahrt selbst bestreiten. Durch das Dadestal soll es dann weiter nach Osten gehen bis zum Dünengebiet Erg Chebbi bei Merzouga am Rande der Sahara. Das wären nochmal etwa 450 km mit dem Rad, wofür wir mit Abstechern 10 Tage rechnen. Mit dem Bus fahren wir dann wieder nach Marrakech zurück. Einen Teil unseres Gepäcks z. B. die Zeltausrüstung können wir hier im Quartier lassen.

Das Finale nach Marrakech

Sonntag, 27.10.2019

Es war eine kluge Entscheidung, eine zweite Nacht in der Ferienwohnung in Khénifra zu bleiben und das schlechte Wetter auszusitzen. Dort konnte man es gut aushalten. Tagsüber war es draußen zwar kalt, von den Wolken her sah es aber gar nicht so schlecht aus. Für einen kleinen Spaziergang war es gerade recht. Am späten Nachmittag fing es aber wieder für Stunden zu regnen an. Unten sieht man den unscheinbaren Eingang unseres Apartmenthauses zwischen zwei Autohäusern von Renault bzw. Dacia.

Heute fahren wir den ganzen Tag auf der Nationalstraße RN 8. Auf den ersten 20 Kilometern hat die Straße leider keinen Seitenstreifen und es herrscht doch einiger Verkehr, auch Busse sowie große und kleine LKW. Das ist v. a. an den Steigungen nervig, weil wir da auch etwas wackeliger fahren. Alle passen aber gut auf. Apropos Steigungen: das Höhenprofil heute ist die reinste Achterbahn. Nach jedem Anstieg geht es wieder runter. Bestimmt 20 Mal, davon 5 größere. Das ist anstrengender als ein Passaufstieg, weil der Rhythmus dauernd wechselt. Nach 20 Kilometern werden die Fahrspuren deutlich breiter und die Straße hat jetzt auch einen Seitenstreifen, da fährt sich doch entspannter. Viele Bilder machen wir nicht, der Stausee Barrage Achmed El Hansali ist aber wirklich ein Foto wert. Offensichtlich ist er nur halb voll, sonst würden die Inselchen nicht aus dem Wasser ragen.

Zaouiat ist ein ganz und gar untouristischer Ort. Bei Booking.com gab es nur ein Quartier, ein einfaches Hotel mit Gemeinschaftsdusche und Toilette auf dem Flur. Aber alles ganz sauber und mit einem sehr netten und hilfsbereiten Besitzer. Er sprach besser englisch als französisch.

Hier werden die Hohlblocksteine in Kleinserie direkt am Bau hergestellt.

War die Etappe am Mittwoch ziemlich anstrengend, so haben wir es am Donnerstag umso leichter. Nur anfangs sind noch zwei, drei kleinere Anstiege zu fahren. Dann aber haben wir eine seichte Abfahrt in die weite Ebene des Flusses Oum Rabia - das ist der, an dessen Quellen wir vor ein paar Tagen waren. Der Wind kommt prächtig von hinten und auf der glatten Straße schnurren wir mit 25 - 30 km/h selbst später im flachen Gelände dahin. Dabei haben wir noch schöne Ausblicke auf die Ausläufer des Mittleren Atlas zur Linken.

An einer Straßenkreuzung sehen wir eine Kamelherde. Man kann hier frische Kamelmilch kaufen.

Schon um 15 Uhr fahren wir nach Beni Mellal ein, unserem Tagesziel. Man achte auf die aufwändige Straßenbeleuchtung. Auch hier schöne Blicke auf den Mittleren Atlas. Der Berg im Hintergrund ist knapp 2400 m hoch und wir meinen Schneereste zu erkennen (bei dem Kälteeinbruch der letzten Tage gut möglich).

Beni Mellal hat 200.000 Einwohner und wirkt recht westlich und aufgeräumt. Unser 3* Hotel Velsatis ist erst 2018 eröffnet worden und vom Balkon auf der 4. Etage hat man diesen Blick auf die Berge. Die beiden Fotos bilden praktisch ein Panorama von links nach rechts.

Nach einem guten Frühstück im Café, das zum Hotel gehört, starten wir in den neuen Radtag. Die Aufgabe ist einfach: immer entlang der RN 8, fast schnurgerade und topfeben. Der Straßenbelag ist gut, leider gibt es nur manchmal einen Seitenstreifen. Wenn uns ein LKW oder Bus überholt und es kommt gleichzeitig Gegenverkehr, müssen wir schon mal auf die Bankette ausweichen. Dafür ist der Wind wieder okay und es rollt gut. Das Land rechts und links ist landwirtschaftlich genutzt. Viele Olivenbäume, aber auch Ackerbau. Dörfer gibt es aber kaum. Gelegenheit für Fotos gibt es nicht viele, aber wenn wir so daherrollen, gibt es natürlich immer etwas zu sehen: wie die Menschen wohnen, wie sie auf den Feldern arbeiten oder wie sie mit und ohne Esel Dinge transportieren. Im Folgenden zwei Beispiele zum Thema Transport.

Hier laufen die Schafe und Ziegen noch herum, im übernächsten Bild hängen sie schon frisch geschlachtet am Haken - in Deutschland bekommt man so etwas natürlich nicht zu sehen.

Mehrfach kommen wir durch Ansiedlungen, wo die Schule gerade beendet ist. Die Kinder werden mit kleinen, gelben Schulbussen gefahren. Viele fahren auch mit dem Rad. Das sind meistens ungepflegte Rostlauben. Einige Kinder haben Spaß daran, uns johlend zu begleiten und uns zu zeigen, wie schnell sie fahren können.

Kurz vor unserem Tagesziel in Bzou ändert sich die Landschaft schlagartig. Wir kommen in eine trockene, weite Steinwüste. Es sieht ein wenig so aus wie im südlichen Arizona.

Da waren wir hergekommen.

Solche eher kleinen Lastwagen fahren hier viel. Sie sind meist hoch voll beladen und mit einer Plane oder einem Netz abgedeckt. Manchmal sind sie bunt bemalt und erinnern uns an Nepal.

Nach 70 recht angenehmen Kilometern rollen wir mit einer kurzen Abfahrt an den Fluss Ouzoud. Hier ist eine kleine Häuseransammlung, gar kein richtiger Ort. Es gibt aber das einfache Hotel Ouzoud, die Fassade wirkt ein wenig bombastisch.

Als wir unten im Restaurant zu Abend essen, sehe ich, dass nebenan ein Friseursalon ist, er hat auch noch geöffnet. Obwohl es schon nach 20 Uhr ist, werde ich natürlich noch bedient und komme auch sofort dran. Der Herr war sehr professionell und hat sich viel Mühe gegeben. Zum Bart stutzen wurde ich richtig eingeschäumt und dann kam das große Barbiermesser zum Einsatz. Es ist aber alles gut gegangen. Für eine halbe Stunde Arbeit wollte er dann umgerechnet 2 € haben, ich habe ihm 3 € gegeben.

Bis Marrakech sind es jetzt nur noch 130 km. Die Gegend ist aber z. T. wüstenartig und auch später gibt es kaum Orte mit Quartieren. Eine Möglichkeit wäre, die Strecke in 42 + 88 zu teilen. Dann würden wir aber erst spät am Nachmittag in die Millionenstadt kommen. Wir entscheiden uns für 104 + 26. Also steht uns die längste Etappe der gesamten bisherigen Tour bevor. Wir kaufen noch Wasser und ein Brot und starten um 8:30 Uhr.

Die ersten 25 km sind Wüste, Lisa steht etwas verloren in derselben. Hinten die Berge des Hohen Atlas.

Das untere Bild will ich einmal zum Anlass nehmen, um etwas zum marokkanischen Mobilfunknetz zu schreiben. Wir haben eine SIM-Karte von Maroc Telecom. Die Netzabdeckung ist sehr gut. Bis auf ganz einsame Strecken im Mittleren Atlas hatten wir immer ein gutes Netz mit 4G. Ich glaube, die Versorgung ist besser als in Deutschland. Die Masten hatten für uns aber auch noch einen anderen Nutzen. Sie stehen immer auf den höchsten Kuppen. So konnten wir schon von weitem erkennen, wann eine Steigung zu Ende sein würde.

Nach 23 km sehen wir links der Straße dieses Schild. Da kann man doch nicht vorbei fahren.

Wie man am Sonnenhut sieht, ist es wieder warm geworden, nach Mittag geht es auf 33 Grad hoch. Die Steinwüste weicht wieder mehr landwirtschaftlich genutztem Land. Viele Kleinbauern verdienen ihr Geld mit dem Verkauf von Oliven oder Olivenöl.

Nach 40 km frischt der Wind immer mehr auf, und zwaŕ aus der falschen Richtung, von rechts vorne. Die Straße hat lange gerade Stücke und die Umgebung ist nicht sehr spannend. Es rollt sehr zäh, obwohl es nur ganz leicht bergauf geht. Der Seitenstreifen ist jetzt nur grob rangeteert. Wir fahren auf der Fahrbahn, müssen aber wegen des starken Verkehrs häufig auf den Randstreifen wechseln. Um ein wenig Struktur in die Monotonie zu bringen, praktizieren wir das "Päckchen fahren", das wir schon auf den einsamen Strecken in Australien angewandt haben. Streng nach Tachometer fährt jeder 2 km vorne im Wind, dann Wechsel. Nach 70 km erreichen wir die kleine Stadt Tamelelt. Hier machen wir erstmal eine richtige lange Pause und essen eine Tajine. In diesen Gefäßen, die mit Holzkohle beheizt werden, wird sie zubereitet.

Leider können wir euch nicht mehr zeigen, wie sie ausgesehen hat. Wir haben alles verputzt. Nebenan lief wieder Fußball im TV, Schalke gegen Dortmund.

Das Ziel rückt näher.

Von km 70 bis km 90 geht es leicht bergab und der Wind stört nicht mehr so. Außerdem können wir jetzt auf dem glatten Seitenstreifen fahren. Auf den letzten gut 10 km kommt der Wind wieder stramm von vorne. Langsam tut der A... weh. Wir fahren gegen die tiefstehende Sonne. Der Verkehr hat zugenommen und es gibt wilde Überholmanöver. Besonders nervig ist es, wenn der Gegenverkehr überholt. Das hatten wir bisher nie. Nach 103 km kommt endlich der Abzweig zum gebuchten Quartier. Es ist schon 18:30 Uhr und die Sonne geht bald unter. Über einen kleinen Schotterweg fahren wir zu einem Haus, das in Frage kommen könnte. Wir schellen aber niemand macht auf. Zwei Nachbarn kommen und es wird telefoniert. Wir sind verwirrt und schließlich stellt sich heraus, dass dieses nicht das richtige Haus ist - die uns bei der Buchung angezeigte Position ist falsch. Die richtige Adresse ist aber nicht weit und der Nachbar zeigt uns den Weg. Im letzten Büchsenlicht kommen wir endlich an. Ein schönes großes Anwesen mit geräumigen Zimmern und Pool. Den hätten wir heute Nachmittag brauchen können, jetzt ist es zu spät. Mit diesem Tee werden wir empfangen.

Zum Abschluss noch ein Bild aus unserem Zimmer von heute Morgen. Den schönen Pool konnten wir gestern Abend leider nicht mehr nutzen.

Jetzt gegen Ende unserer Radtour ist es an der Zeit, einiges Allgemeine über unsere Erfahrungen in Marokko zu schreiben. Die Reihenfolge ist zufällig.

*  Wir sind positiv überrascht über die Freundlichkeit der Menschen. Viele haben uns zugerufen: "Welcome in Marocco." Wir haben uns immer im Land willkommen und sicher gefühlt, nie wurden wir abweisend behandelt. Die Leute sind auch nicht aufdringlich, mit kleinen Abstrichen in den Medinas der großen Städte, wo einige "Führer" etwas hartnäckig sind. Marokko ist ein gemäßigt islamisches Land. Die Menschen sind tolerant, auch was die Kleidung angeht. Wir konnten immer in unserem normalen kurzen Raddress fahren, ohne komische Blicke zu ernten. Die Menschen sind z. T. traditionell gekleidet, aber auch westlich. Die Frauen tragen meistens ein Kopftuch, vollverschleierte sieht man sehr wenige. Wir haben es als großen Vorteil empfunden, mit dem Rad unterwegs zu sein. So viel Zuspruch und Anerkennung durch Hupen, Winken, Daumen hoch haben wir bisher noch in keinem anderen Land erfahren.

*  In jedem kleinen Dorf gibt es Cafés und zwar viele. Alle haben auch Tische und Stühle draußen. Schon morgens sitzen hier die Männer - und nur Männer - und trinken Kaffee oder Tee. Beides ist in Marokko sehr lecker. Der Tee wird häufig mit vielen frischen Minzblättern aufgebrüht - hmm.

*  Die Autofahrer in Marokko sind nicht so super rücksichtsvoll und defensiv wie die in Spanien, aber auch nicht besonders rabiat - normal eben. Sie fahren aber durchaus aufmerksam. Auch auf Straßen ohne Seitenstreifen hatten wir eigentlich keine kritische Situation. Wie in vielen anderen Ländern auch, muss man bei den Bussen besonders aufpassen. Sie drängeln sich auch gerne bei Gegenverkehr noch durch oder bremsen direkt vor unserer Nase ab, um Leute aussteigen zu lassen. Bis auf einen harmlos aussehenden Unfall an einem Kreisverkehr in Fès haben wir keine Unfälle oder Unfallspuren gesehen.

*  Es gibt auf den Straßen viele Polizeikontrollen. Sie bauen dann einen kleinen Kontrollposten auf, durchaus auch mit bereitgehaltenen Stachelbrettern. Überwiegend werden die Einheimischen kontrolliert. Wir wurden nie angehalten, sondern immer freundlich durchgewunken. Wir haben auch viele mobile Geschwindigkeitskontrollen mit Blitzern gesehen. Übertretungen sind teuer. Militär sieht man aber praktisch nicht.

*  Hunde sieht man in Marokko nicht so viele. Sie sind auch nicht aggressiv uns Radfahrern gegenüber, eher wirken sie verschlafen. In kleinen Orten werden sie aber manchmal nachts rührig und kläffen herum. Auch bei den kleinen Schaf- oder Ziegenherden ist meist kein Hund dabei. Dafür sieht man viele Katzen, meist kleine Kätzchen. Fast in jedem offenen Restaurant schleichen sie einem um die Beine. Sie schauen süß hoch und hoffen, dass für sie etwas abfält.

*  In manchen deutschen Hotels findet man eine Bibel in der Nachttischschublade, hier liegt häufig ein Gebetsteppich.

*  Mensch und Material haben bisher gut durchgehalten. Wir waren nie ernsthaft krank oder gar beim Arzt. Ein paar Paracetamol und zwei Tuben Voltaren Salbe haben für die 3 Monate gereicht. Auch die Räder sind wieder topp gelaufen, in Südfrankreich hatten wir neue Ketten montieren lassen. In den letzten Tagen hatte ich das Gefühl, dass mein Sattel durchgesessen ist, durchgebrochen glaube ich nicht. Mit einem Stück Holz, das ich untergelegt habe und einem Kabelbinder ging's aber wieder ganz gut.

 

Wenn auf den letzten 26 km nicht noch etwas Gravierendes passiert, werden wir heute Mittag am Sonntag, 27. Oktober, unser Ziel Marrakech erreichen. So richtig realisieren können wir es noch nicht. Wir sind dann genau 90 Tage und knapp 4500 km auf Tour gewesen, dabei durch 7 Länder gefahren. Für drei Nächte haben wir erstmal wieder einen Riad gebucht. Was wir in den verbleibenden drei Wochen noch machen, schauen wir mal, Ideen gibt es genug.

Vom Mittleren Atlas bis nach Khénifra

Dienstag, 22.10.2019

Hier noch zwei Nachträge vom kleinen Dorfplatz in Ain Leuh. Das Fleisch von Huhn und Ziege wird direkt frisch und offen verkauft. Fliegen sieht man darauf nicht und trotzdem wäre das wohl nichts für uns. Die Bilder stammen noch vom Nachmittag. Als wir morgens gegen 8:30 Uhr den Ort verlassen, wirkt alles ziemlich verschlafen. Nur wenige Leute sind auf der Straße. Ein kleiner Laden hat aber geöffnet und so kaufen wir Wasser, frischen Kuchen und einige Schokoriegel ein.

Es geht wieder aufwärts in die Berge. Das Höhenprofil für heute und auch den folgenden Tag sieht etwa so aus wie eine flache, umgedrehte Waschschüssel. Morgens aus dem Tal hoch, tagsüber wellig und nachmittags ins nächste Tal hinunter. Heute steht uns mit 1800 m die höchste Stelle unserer bisherigen Tour bevor. Die ersten Kilometer sind mit 6 - 8 % wieder ziemlich steil. Weil aber praktisch kein Auto fährt, können wir beim Hochkurbeln die eine oder andere Serpentine fahren. Schon nach einer halben Stunde wird es warm und wir ziehen die Jacken aus. Dabei bemerken wir ein Geschrei und Spektakel in den großen Steineichen. Beim genauen Hinsehen erkennen wir zwei Berberaffen, die auf dem Baum umherspringen. Sie sind aber ziemlich scheu und als wir näher kommen, verschwinden sie. Ein Foto gelingt nicht.

Auf etwa 1700 m ist der größte Anstieg geschafft. Die Steineichen weichen mehr und mehr zurück und es öffnet sich eine karge, steinige Hochebene.

Etwas weiter - es sind hier wieder mehr Bäume mit grasigen Stellen dazwischen - sind plötzlich Affen auf der Straße. Wir halten an und beobachten minutenlang das Schauspiel. Etwa 10 Berberaffen sind hier. Sie jagen sich von einer Straßenseite auf die andere, springen in die Bäume oder liegen faul im Gras. Ein schönes Erlebnis, mit dem wir gar nicht gerechnet hatten. Diese Affen hier leben wild. Sie sind eher scheu und nicht so handzahm und frech wie die auf Gibraltar.

Die Affenmama trägt ihr Baby huckepack.

In dieser öden und abgelegenen Gegend, weitab von jedem Dorf, leben Berberfamilien in ärmlichen Behausungen ohne Strom- und Wasseranschluss. Sie hüten ihre Schafe, Holz und Wasser transportieren die Esel. Die Kinder stehen in der Kälte an der Straße und betteln um Süßigkeiten und Brot. Nach und nach verschenken wir all unseren Proviant. Die Kinder sind lieb und nicht aggressiv. Wir hatten auch schon gelesen, dass sie mit Steinen werfen, wenn sie nichts bekommen. Das ist hier aber nicht so. Wir können aber nicht jedem etwas geben und manche(r) blickt uns traurig hinterher. Die Frauen wollen aber manchmal auch etwas verkaufen. Direkt an der Straße haben sie einen kleinen Steinofen, in dem sie Fladenbrot backen. Ein noch warmes haben wir auch gekauft. An Joghurt oder so etwas ähnliches haben wir uns nicht getraut.

Am frühen Nachmittag haben wir eine rasante Abfahrt hinunter ins Tal des Flusses Oum Rabia in den gleichnamigen Ort.

Diese Ansicht trügt ein wenig. Der Ort (außerhalb des Bildes) ist ganz untouristisch und eher schlicht. Viele angefangene, unverputzte Rohbauten und zwei staubige Dorfstraßen. Im einzigen Haus, das wie ein fertiges Haus aussieht, bekommen wir in einer Herberge aber ein angenehmes Zimmer. Wie schon so oft in Marokko sind die Wirtsleute sehr nett, der Mann spricht sehr gut französisch. Auf der offenen Veranda, die man auf dem unteren Bild sieht, wird uns das Abendessen und das Frühstück serviert. Außer uns sind keine anderen Gäste da.

unten: Blick aus unserem Zimmer auf einige Hütten und Verkaufsstände

Der Ort bzw. der Fluss sind schon etwas Besonderes. Das kommt nur jetzt bei dem kühlen, wolkigen Wetter und außerhalb der Saison nicht so zur Geltung.

Oum Rabia ist der längste, ganzjährig wasserführende Fluss in Marokko und der zweitlängste überhaupt. Er entspringt hier - und zwar nicht als kleines Rinnsal. Wer schon mal in der Provence war, kennt vielleicht die Fontaine de Vaucluse. In einem felsigen Kessel mit einem Wasserfall kommt unterirdisch ein gestandener Fluss zutage. Unser Hauswirt erzählte uns, dass es hier insgesamt 40 Quellen gibt, davon 7 salzhaltige. Entlang des Flusslaufes z. T. direkt über dem Wasser hat man Podeste betoniert und mit einem Blätterdach versehen. Diese Unterstände kann man mieten und in der Hitze des Sommers dann herrlich picknicken. Jetzt ist nichts los.

Der letzte Teil des Pfades bis zum Wasserfall ist etwas abenteuerlich, aber nicht wirklich schlimm.

Der Wasserfall ist etwa 20 m hoch. Jetzt im Herbst ist die Wassermenge nicht besonders groß. Wir haben aber Bilder gesehen, die deutlich spektakulärer aussehen.

Morgens beim Abschied möchte der Hausherr unbedingt noch ein Foto mit uns zusammen machen. An unserem Outfit erkennt man, dass es nicht besonders warm ist. Zum ersten Mal auf der gesamten Tour starten wir bei 9 Grad in der langen Radmontour.

Die Straße heute ist noch einsamer. Sie ist völlig überdimensioniert breit angelegt. Die Teerdecke ist aber nur schmal und brüchig, wahrscheinlich soll das alles mal neu geteert werden. Ein kleines Wohnmobil kommt uns entgegen und stoppt. Es ist ein französisches Paar, pensionierte Lehrer aus Orleans. Sie können gut englisch und wir quatschen bestimmt eine viertel Stunde mitten auf der Straße. Als dann noch vier spanische Motorradfahrer auf ihren Crossmaschinen dazukommen, macht Lisa mal ein Bild.

Viele Bilder machen wir bei dem trüben Wetter nicht. In tieferen Lagen herrschen die Steineichen vor. Weiter oben dann teilweise weite, offene Graslandschaften, so dass man glaubt in der Mongolei zu fahren.

Zwei Frauen ziehen mit ihren beladenen Eseln über die weite Fläche.

Oberhalb von 1600 m dominieren dann Atlas-Zedern das Bild. Wie man auf den Fotos sieht, sind gewaltige Exemplare dabei.

Weit und archaisch wirkt teilweise das Land.

Dann geht es fast 800 Höhenmeter bergab. Die Straße ist mittlerweile recht glatt, so dass wir die Abfahrt auch genießen können. Oben ist es aber noch ziemlich kalt und wir ziehen alles Warme an.

In tieferen Lagen gedeihen dann ganz andere Pflanzen, wie hier diese riesigen Agaven.

Wir erreichen unser Tagesziel Khénifra, eine größere Stadt an der Nationalstraße RN8 auf 800 m Höhe. Nach 5 Tagen Fahrt durch die Berge sind wir wieder in der Ebene. Lisa ist mittlerweile zum Profi bei der Quartiersuche geworden. In der eher untouristischen Stadt gibt es kaum brauchbare Hotels. Über Google Maps hat sie aber ein Apartmenthaus direkt gegenüber von einem Carrefour Supermarkt gefunden. Wir fahren hin, die Tür steht offen, aber an der Rezeption ist niemand zu sehen. Sie ruft an und kurz darauf erscheint der Manager. Zu einem fairen Preis bekommen wir eine große Ferienwohnung, müssen aber alles Gepäck in die 4. Etage tragen. Die Fahrräder stehen sicher in der Rezeption.

 

Gegenüber im Supermarkt gehen wir erstmal einkaufen. Milka, Haribo und Nüsse. Das Beste sind die Spekulatius aus Belgien und das Bier aus Spanien, wenn auch nur alkoholfrei - normales Bier kann man so im Laden nicht kaufen. Natürlich haben wir auch noch etwas Gesundes und Handfestes für unser selbstgekochtes Abendessen gekauft.

Als wir gegen 20 Uhr aus dem Fenster schauen, regnet es - der erste Regen seit über 5 Wochen.

Morgens hat es zwar aufgehört zu regnen, aber die Berge sind wolkenverhangen. Da haben wir gestern mit dem Wetter noch Glück gehabt. Der Wetterbericht für den Tag ist nicht umwerfend: kühl, windig mit Schauern. Da Lisa sich mit einer leichten Erkältung etwas schlapp fühlt, beschließen wir, noch einen Tag hier zu bleiben. In der Stadt gibt es keine Sehenswürdigkeiten, man muss aber auch nicht immer etwas besichtigen. Wir legen einfach mal die Füße hoch und gehen wieder in den Supermarkt 😉.

Wir haben jetzt mal eine Planung für den verbleibenden Teil der Route bis Marrakech gemacht. Wenn wir uns überwiegend in der Ebene halten, sind es bis Marrakech noch knapp 350 km. Wir rechnen dafür mit 5 Tagen Fahrt. Bis zu unserem Rückflug haben wir aber noch viel Zeit für die Besichtigung von Marrakech und einen möglichen mehrtägigen Ausflug mit einem Mietwagen in den Hohen Atlas und südlich davon. Schauen wir mal, was sich da so ergibt.

Durch die Berge des Mittleren Atlas

Samstag, 19.10.2019

Wir verlassen Fès Richtung Süden. Nach wenigen Kilometern kommt zu unserer Freude ein Carrefour Supermarkt, in dem wir uns für den Tag mit Proviant und Getränken eindecken. Es geht in die Berge des Mittleren Atlas. Das Höhenprofil des Tages ist einfach: 1000 Hm hoch und 20 Hm runter - von 350 m auf 1350 m, verteilt auf 44 km. Die ersten 2/3 der Strecke auf der RN8 sind noch flacher. Die meiste Höhe machen wir auf dem letzten Drittel. Leider sind hier einige Baustellen, weil eine dritte Fahrspur für den Bergaufverkehr angelegt wird. Insgesamt ist es aber ganz gut fahrbar. Der Teer ist glatt und die Straße hat einen Seitenstreifen. Die Nacht verbringen wir in Imouzzer Kandar, wo wir eine 120 qm Ferienwohnung gebucht haben. Hier hätte eine Großfamilie übernachten können, aber in dem eher untouristischen Ort gibt es nicht viel Auswahl. Es ist kühl geworden. Abends auf dem Sofa sitzen wir mit Fleecejacke, langer Hose und Wollsocken und haben die Klimaanlage auf Heizen gestellt - offensichtlich hat hier längere Zeit niemand gewohnt.

Am nächsten Tag fahren wir extra einen 5 km Umweg, um den im Reiseführer gelobten Kratersee Dayet Aoua anzusteuern. Wie man sieht, ist der jetzt im Herbst vollständig ausgetrocknet und die Schafe suchen hier Futter.

Kurze Zeit nachdem wir wieder auf die Hauptstraße zurück gekehrt sind, sehen wir diesen Kilometerstein, der erste Hinweis auf unser Ziel Marrakech. Die Angabe bezieht sich aber auf die Hauptstraße. Da wir auf Nebenstraßen auch noch mehr durchs Gebirge fahren wollen, werden das für uns wohl noch etwa 600 km werden.

Der Radfahrer, der uns kurz danach entgegen kommt, ist wieder ein Spanier. Angel hat eine Rundtour durch Marokko gefahren und ist jetzt auf dem Weg zurück - etwa auf der Route, auf der wir gekommen sind. Die Verständigung ist schwierig, da er nur spanisch spricht.

Wir fahren immer weiter berghoch, nicht sehr steil, aber weit und wellig. Da kommt ein kleines Café für eine Pause gerade recht.

Auf 1670 m Höhe liegt ein Ort, der gar nicht nach Marokko passen will. Blitzsaubere Straßen, schicke Cafés, Häuser mit Giebeldächern und Skilifte in der Umgebung. Es ist Ifrane, eine Gründung der Franzosen als Sommerfrische, um der Hitze von Fès zu entfliehen. Der König hat hier einen kleinen Palast und es gibt eine noble Eliteuniversität. Unten das Hotel Le Chamonix.

Wir fahren aber noch weiter. Nach der höchsten Stelle einige Kilometer hinter Ifrane mit 1700 m folgt eine schöne Abfahrt Richtung Azrou. Hier ist auch noch einmal Marrakech ausgeschildert. Von rechts sind wir gekommen, nach links geht's weiter.

Mehrfach während der Abfahrt halten wir an, um die tollen Ausblicke in die weite Landschaft zu genießen.

Etwa 7 Kilometer vor Azrou liegt der Campingplatz Amazigh. Ein deutscher Motorradfahrer und einige spanische und französische Wohnmobile stehen schon da. Eine schöne Anlage, wo man auch gut das Zelt unter alten Obstbäumen aufstellen könnte. Wir sind hier aber auf 1500 m und nachts wird es schon verdammt schattig. Um kurz nach 19 Uhr ist es schon dunkel und dann müsste man schon in den Schlafsack kriechen. Deshalb nehmen wir im Haupthaus ein Zimmer und auch da ist es nachts ohne Heizung noch kalt genug. Die netten Wirtsleute braten uns zum Abendessen eine ganz hervorragende Forelle. Die Tür zu dem kleinen, einfachen Gastraum müssen wir zuhalten. Immer wieder versuchen 8! kleine Kätzchen hereinzukommen, in der Hoffnung, dass etwas für sie abfällt.

An diesem Freitag sind wir genau 80 Tage unterwegs. Um die Welt sind wir nicht gekommen, haben heute aber die 4000 km voll gemacht. Ein Bier zur Feier gab's leider nicht.

Die Kiefer vor dem Haus hat enorm große Zapfen und die Nadeln sind sicher 20 cm lang.

Der dritte Tag beginnt mit einer kurzen Abfahrt bis 3 km vor Azrou. Dann wird es für 4 km auf einer kleinen Bergstraße richtig steil und wir müssen teilweise schieben, bis wir die höchste Stelle bei 1700 m erreichen. Ganz einsam und jetzt fast waagerecht mit nur kleinen Wellen fahren wir durch Steineichenwälder am Westhang des Mittleren Atlas entlang. Auf diesen fast 20 km sind vielleicht 5 Autos gefahren.

Manchmal kann man einen Blick auf die tief unten liegende Stadt Azrou erhaschen.

Hier machen wir Pause. Anders als in den letzten Wochen, suchen wir dafür eine Stelle in der Sonne, denn besonders warm ist es nicht.

Die Silberdistel hebt sich kaum vom umgebenden Gestein ab.

Hier fährt praktisch kein Tourist, deshalb alles nur auf arabisch. Dank elektronischer Karte ist die Orientierung aber kein Problem.

Aus dem Waldgebiet (oberhalb von Lisas Helm) fahren wir in eine offenere Landschaft hinunter. Der Wind kommt kühl von vorne und wir haben die Windjacken seit Wochen mal wieder angezogen.

Die Berber hier haben eine ganz eigene Methode, ihre Zwiebeln zu lagern. Im Herbst werden sie auf einer langen Steinmauer in einer Strohschicht aufgeschichtet, abgedeckt mit Plastikfolie.

Elterntaxi auf marokkanisch

Wir übernachten in Ain Leuh, im gleichnamigen Hotel. Außer uns sind keine Touristen zu sehen, obwohl der Ort ganz hübsch in den Bergen liegt. Als wir in eines der wenigen Restaurants zum Essen gehen, trauen wir unseren Augen nicht. Es läuft auf einem großen Bildschirm live das Bundesliga Abendspiel Dortmund gegen Mönchengladbach. Überhaupt ist interessant, wie viele Marokkaner Mönchengladbach wegen der Borussia kennen.

Von der Dachterrasse unseres Hotels genießen wir dann noch den Sonnenuntergang, kombiniert mit dem Ruf des Muezzin.

Zwei weitere Tage fahren wir jetzt noch durch die Berge, ehe wir mit Khénifra wieder eine größere Stadt erreichen. Nach der Wettervorhersage soll es in den nächsten Tagen einen Kälteeinbruch mit Regen geben, tags 13 Grad und nachts 5 Grad - schauen wir mal. 

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