Übersichtskarte

Am mittleren Neckar

Dienstag, 22.09.2020

Dieses wird der vorläufig letzte Blogbeitrag über unsere Tour 2020 werden.

Von Stuttgart fahren wir wieder durch den Rosensteinpark zum Neckar zurück. Wir kommen jetzt in die Weinregion des Neckar. Ähnlich wie an der Mosel ziehen sich die Weinberge die Hänge hinauf. An der Mosel sind die Hänge oft höher, hier beeindrucken aber die durch Mauern gestützten Terrassen, auf denen die Reben wachsen.

Unser Zelt ist von der vorletzten Nacht in Tübingen noch sehr nass vom Tau. So nutzen wir die intensive Sonneneinstrahlung des frühen Nachmittags für eine Trocknungsaktion - die Kühe schauen interessiert zu.

Direkt nebenan ist ein kleiner Aussichtsturm, von dem man einen schönen Blick auf die Auenlandschaft hat. In der Zwischenzeit ist das Zelt getrocknet und es geht weiter.

Das felsige Steilufer des Neckar bei Poppenweiler.

Einige Kilometer weiter liegt Marbach. Hier wurde Friedrich Schiller 1759 geboren. Wir machen eine Pause in einem Biergarten am Fluss, schauen uns die Stadt aber nicht weiter an.

Bei Mundelsheim macht der Fluss einen 180-Grad Bogen. Wunderschön verläuft der Radweg am Fuß der Weinberge entlang und für Mitte September ist es mit über 30 Grad richtig warm.

Kurz vor unserem Tagesziel Besigheim wechseln wir auf die andere Flussseite. Schon ab Plochingen ist der Neckar dank etlicher Schleusen schiffbar, es fahren aber so gut wie keine Schiffe. Hier sehen wir tatsächlich mal ein Frachtschiff.

Besigheim soll eines der schönsten Weindörfer in Deutschland sein. Bei irgendeiner Abstimmung wurde es 2010 dazu gewählt. Der Wirt unserer Pension scheint davon aber nicht so recht überzeugt zu sein. Es gibt zwar eine Stadtmauer mit zwei Türmen, die wirklich sehenswerten Häuser stehen aber lediglich längs der zentralen Dorfstraße.

Das Fachwerkhaus rechts im Bild war sicher einmal die Stadtapotheke. Durch geschicktes Weglassen passt die Innschrift jetzt auch für eine Gaststätte.

Das Dreigiebelhaus

Diese Straße ist wirklich schön und abends konnten wir hier in netter Atmosphäre beim Essen sitzen.

Der letzte Radtag (zu diesem Zeitpunkt wissen wir ja noch nicht, dass es der letzte sein würde) führt uns über Lauffen durch den Großraum Heilbronn.

Hier gibt es viel Industrie direkt am Fluss und die Idylle ist begrenzt. Bei Neckarsulm kommen wir duch eine Großbaustelle - die Verbreiterung der Autobahn A 6 bei der Querung des Neckar.

Die letzte größere Stadt auf unserer Tour ist Bad Wimpfen. Hier bin ich schon zweimal gestartet, um den sehr schönen Kocher-Jagst-Radweg zu fahren.

Bad Wimpfen ist bekannt für seine Kaiserpfalz, eine wuchtige, turmbewehrte Burganlage, mit deren Bau unter Friedrich Barbarossa Mitte des 12. Jahrhunderts begonnen wurde. Sie ist die größte in Deutschland. Im Mittelalter hatte der Kaiser keine Hauptstadt mit einem festen Regierungssitz, sondern er zog mit seinem ganzen Tross umher, um ohne Internet und Telefon das Reich zu regieren und zu verwalten. Die Pfalzen dienten dann als temporärer Regierungssitz. Eine weitere bekannte Pfalz steht in Goslar am Harz. Die Pfalz war gerade eingerüstet und wird restauriert. So konnte man sie nicht besichtigen und es waren auch keine brauchbaren Fotos möglich.

Die folgenden Bilder zeigen Impressionen aus der Stadt.

Seitenaltar in der Kirche von Bad Wimpfen

oben: Fahrt durch Unmengen an Fallobst

unten: Im weiteren Verlauf des Neckar sind die Weinberge wieder zurückgewichen. Dafür sieht man die ein oder andere Burg an den waldigen Hängen, hier die Burg Zwingenberg.

Das Schild weist uns den Weg auf dem Neckar-Radweg zu unserem Tagesziel Eberbach, etwa 30 km östlich von Heidelberg. Auf dem Campingplatz direkt am Wasser steht neben uns ein Wohnmobil mit einem Sauerländer Ehepaar aus Altenhundem.

Wie schon im vorletzten Blog beschrieben, haben wir hier unsere Tour nach 7 Wochen, in denen wir 2450 km ohne Sturz und Pannen gefahren sind, abgebrochen. Am Donnerstag sind wir dann in über 7 Stunden mit Regionalzügen (nur in denen ist eine Fahrradmitnahme ohne Voranmeldung problemlos möglich) nach Mönchengladbach gefahren.

Wenn der Oktober nochmals eine Woche mit halbwegs radtauglichem Wetter zu bieten hat, kommen wir vielleicht zurück, um auch das letzte Stück der geplanten Route noch zu fahren. Schauen wir mal.

Von Tübingen bis Stuttgart

Sonntag, 20.09.2020

Am Sonntag, 13. September verabschieden wir uns nach dem Frühstück von unserem Freund Berthold in Deckenpfronn und fahren wieder Richtung Neckartal. Über Herrenberg sind es etwa 30 wellige Kilometer. Schon zur Mittagszeit rollen wir auf dem ruhig gelegenen Campingplatz von Tübingen ein. Die Zeltwiese ist wieder geräumig und schnell ist das Zelt aufgebaut. Nach etwas Relaxing nehmen wir gegen 15:30 den Bus zur Innenstadt. Von einer künstlich angelegten, langgestreckten Insel schauen wir über den hier aufgestauten Fluss zur Neckarbrücke und zu den Häusern an der Neckarfront. 

Wir buchen eine für Tübingen typische Bootstour mit einem Stocherkahn. Die schattenspendenden Bäume und die frische Luft über dem Wasser tun gut an diesem heißen Tag.

Nachdem durch einige Umsetzungen das Boot im Gleichgeweicht ist (wir waren nicht betroffen embarassed) legt unser Gondoliere Klaus los und stakt uns eine knappe Stunde umher. Er ist schon 70 Jahre alt, aber noch ziemlich drahtig, dank seines täglichen 2-stündigen Boxtrainings. Seit 55 Jahren fährt er schon Stocherkahn. Dabei erzählt er allerlei Geschichten zur Stadtgeschichte, der Universität und den Amouren der Studenten. Die Universität wurde 1477 gegründet und zählt damit zu den ältesten in Europa. Sie hat bis jetzt 11 Nobelpreisträger, einen Papst und mehrere Bundespräsidenten hervorgebracht. Einer der bekanntesten Studenten war der 1770 in Lauffen am Neckar geborene Dichter Friedrich Hölderlin, nach dem auch ein Turm an der Neckarfront benannt ist.

An diesem sonnigen Sonntag herrscht reges Treiben auf dem beschaulichen Fluss. SUP ist ja der Renner der Saison. Kennt ihr nicht? Stand-Up-Paddling auf einer Art Surfbrett.

Nach der Bootstour schlendern wir durch die Stadt aufwärts Richtung Schloss. Dabei kommen wir auch an etlichen Häusern vorbei, in denen sicher Studenten wohnen, die für jeden Schabernack zu haben sind.

Ein überdimensionaler Kopf des Kaisers Augustus und ein bronzezeitliches Pferd im Innenhof des Schlosses.

oben: Blick von Schloss über Tübingen

unten: Der Fruchtkasten mit seinem alemannischen Fachwerk aus dem späten 15. Jahrhundert ist eines der schönsten Häuser der Stadt. Die Lichtverhältnisse zum Fotografieren waren allerdings sehr ungünstig.

In ebenso ungünstigem Gegenlicht das ansehnliche alte Rathaus am Marktplatz.

Abendlicher Blick von der Neckarbrücke.

Am nächsten Morgen vor der Weiterfahrt waren wir nochmals kurz in der Stadt. Dieses Mal war das Licht besser, dafür standen jetzt Marktschirme und Lieferwagen störend davor. Insgesamt hat uns Tübingen sehr gut gefallen. Es ist etwas vergleichbar mit Marburg, wo wir ja zu Beginn unserer Tour waren.

Wir fahren auf dem Neckar Radweg weiter stromabwärts und erreichen nach ca. 25 km die Stadt Nürtingen. Hier pausieren wir in einem Eiscafé und machen einige Fotos bei einem kleinen Bummel durch die Stadt.

Die nächste Station ist Plochingen. Bekannt ist das kuriose Haus des österreichischen Malers und Architekten Friedensreich Hundertwasser.

Den Tag beenden wir in Esslingen, wo wir uns mangels Campingplatz ein Zimmer bei Airbnb gebucht hatten. Da sind wir praktisch Teil einer Studenten-WG in einem alten Stadthaus mit Holztreppe und knarzendem Holzboden - aber richtig nett und schön.

Die folgenden Bilder stammen alle von einem abendlichen Spaziergang durch Esslingen. Die Stadt hatte ich eigentlich mehr mit Industrie in Verbindung gebracht. Die Esslinger Maschinenfabrik war z. B. einer der wichtigsten Orte für den Bau von Dampflokomotiven in Deutschland.

Oben sieht man das alte Rathaus mit seinem schönen Glockenspiel.

Abendlicher Blick von der Esslinger Burg über den Weinberg zur Stadt.

Als letzte Stadt in diesem Blogbeitrag kommen wir nach Stuttgart. Wir haben uns hier nochmals mit unseren Freund Berthold verabredet, den wir am Schlossplatz treffen. Die eigentliche Kernstadt Stuttgart liegt nicht direkt am Neckar. Vom Vorort Bad Cannstatt fährt man mit dem Fahrrad sehr entspannt durch den langgestreckten Rosensteinpark am Hauptbahnhof vorbei direkt ins Zentrum.

Die Springbrunnen am Schlossplatz

oben: Kunstmuseum Stuttgatrt

unten: Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I. auf dem Karlsplatz

Das neue Schloss beheimatet jetzt die Landesministerien für Wirtschaft und Finanzen.

Als letztes noch zwei Bilder des umstrittenen Bahnprojektes "Stuttgart 21". Dabei sollen der bisherige Kopfbahnhof (links der Turm ist das Hauptgebäude) und die vielen Gleisanlagen verschwinden und durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof ersetzt werden. Es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis das alles fertig ist. Für einen ausführlichen Besuch von Stuttgart und seinen Museen braucht man mehr Zeit, als wir jetzt hatten. Also müssen wir nochmals wiederkommen.

Es fehlt jetzt noch ein Beitrag über die letzten Tage unserer Tour bis zum Abbruch in Eberbach. Der folgt in den nächsten 2 - 3 Tagen.

 

Abbruch unserer Tour in Eberbach am Neckar

Donnerstag, 17.09.2020

Wir sind über Tübingen, Stuttgart und Heilbronn auf dem Neckarradweg bis nach Eberbach, etwa 30 km östlich von Heidelberg gefahren. Hier haben wir leider die traurige Nachricht erhalten, dass unsere liebe Nachbarin gestorben ist. Wir brechen deshalb hier unsere Tour ab und fahren heute mit dem Zug nach Hause.

In den nächsten Tagen werde ich den fehlenden Blogbeitrag über die Fahrt der letzten Tage noch nachreichen.

 

Durchs Nagoldtal nach Deckenpfronn

Sonntag, 13.09.2020

Als Erstes erlaube ich mir einen wichtigen Hinweis für die Teilnehmer unserer Mailingliste. Am Freitag Abend habe ich einen neuen Blogbeitrag mit dem Titel "Vom Bodensee ins Neckartal" geschrieben. Zu diesem Blogbeitrag wurde keine Mail verschickt, offensichtlich weil weniger als 24 Stunden zwischen dem und dem vorigen Blogbeitrag lagen. Also einmal zurück scrollen, damit ihr nichts verpasst.

Nach einem sehr guten und reichhaltigen Frühstück in unserem Gasthof in Sulz am Neckar ging die Fahrt weiter flussabwärts, etwa 15 km bis Horb. Nur wenige Kilometer hinter Sulz liegt in einem kleinen Seitental das Schloss Glatt. Es ist eines der ältesten Renaissance-Schlösser Süddeutschlands und eines von nur wenigen erhaltenen Wasserschlössern des Landes Baden-Württemberg. Jetzt am Morgen hatten wir das Schloss und den schönen Park praktisch für uns allein.

Auf diese Bank würde ich mich nicht so gerne setzten.

An einer Hauswand im Ort fanden wir diesen Sinnspruch.

Normalerweise würden wir jetzt am Neckar weiterfahren. Wir wollen aber unseren Freund Berthold besuchen, der westlich des Neckar im Gäu im kleinen Dorf Deckenpfronn wohnt. Wir haben uns 2013 kennengelernt, als wir in Peru auf der Panamericana gefahren sind. Zusammen mit Klaus, dem vierten im Bunde, sind wir damals über Cusco und den Titicacasee bis nach La Paz in Bolivien geradelt, eh sich da unsere Wege getrennt haben. Seitdem haben wir eine Whatsapp Gruppe "SAMConnection", wobei SAM für Südamerika steht. 2015 haben wir ihn schon einmal besucht und freuen uns auf ein Wiedersehen.

Dazu müssen wir in Horb den Neckar verlassen und 200 Höhenmeter empor kraxeln. Nach einer schönen Abfahrt kommen wir dann ins Tal der Nagold und später dann auch in die Stadt Nagold. Von diesem Tal hatten wir bisher gar keine Vorstellung. Es ist ruhiger und kleiner als das Neckartal, aber ebenso schön mit waldigen Hängen. Ein sehr gut geteerter Radweg führt hier entlang. Auf ihm könnte man bis Pforzheim fahren.

Die nächsten Bilder zeigen Impressionen aus Nagold.

15 km vor Deckenpfronn liegt im Tal der Campingplatz Carpe Diem. Wir bekommen einen schönen rasigen Platz mit Tisch und Bank, Strom und eigenem Wasserhahn. Der Platz wird von Holländern betrieben und es sind auch eine ganze Reihe holländische Gäste da. Insgesamt ist der Platz aber höchstens zur Hälfte belegt. Mit dem Ende der Sommerferien in Baden-Württemberg scheint es überall ruhiger zu werden.

Am Samstag Morgen haben wir also nur noch eine kurze Etappe, allerdings die 200 Höhenmeter vom Vortag wieder hinauf.

Wir machen mit Berthold einen Spaziergang durch das nette Dorf zum Sportheim (da läuft im Fernsehen die erste Runde des DFB-Pokals mit einem hohen Sieg für Borussia Mönchengladbach) und sitzen ansonsten den Nachmittag und Abend zusammen klönen über Radtouren und die Politik.

Heute am Sonntag werden wir über Herrenberg ins Neckartal zurück kehren und uns Tübingen anschauen.

Vom Bodensee ins Neckartal

Donnerstag, 10.09.2020

Nach dem Titel unseres Blogs "Rund um Deutschlands Süden" müssten wir jetzt eigentlich vom Bodensee entlang des Rheins über Stein am Rhein und Schaffhausen bis Basel fahren und dann durch das Elsass nach Norden. Wie ihr an den Markierungen auf der obigen Karte sehen könnt, sind wir dort erst im letzten Jahr auf unserer Tour nach Marokko gefahren. Deswegen haben wir uns schon bei der Planung entschieden, eine andere Route nach Norden zu nehmen - und zwar den Neckar-Radweg. Den kennen wir noch nicht.

Auch der schönste Frühstücksplatz, siehe letzten Blog, muss mal verlassen werden, und zwar in Richtung Konstanz. Wir kommen an der Brücke zur Insel Mainau vorbei. Auf den Großparkplätzen kommen die ersten Besucher an. Wir meinen, da können wir auch mit 75 oder 80 noch mal hinfahren. Der Eintrittspreis von 22 € p. P. würde sich auch nur bei einem mehrstündigen Besuch lohnen, soviel Zeit wollen wir uns heute nicht nehmen.

Bei Konstanz fließt der Rhein aus dem Bodensee in den Untersee.

Die nächsten Bilder zeigen das Münster von Konstanz, eine ehemalige Bischhofskirche von ca. 600 bis 1821. Sie gilt als bedeutenster romanischer Kirchenbau in Südwestdeutschland. Während des Konzils von Konstanz (1414 - 1418) diente sie als Tagungsort. Das Geläut umfasst insgesamt 19 Glocken mit einem Gesamtgewicht von etwa 35 t. Es ist damit das zweitgrößte nach dem im Kölner Dom.

Sehr schöne Schnitzarbeiten an der Kanzel.

oben: einer der Seitenaltäre

unten: besonders gut gefallen haben uns die eindrucksvollen, farbenfrohen Glasfenster

oben: Front eines alten Hauses in Konstanz

Auf der Suche nach einer möglichst steigungsarmen Route haben wir vom Ende des Untersees bei Radolfzell eine Strecke über Singen am Hohentwiel und Engen genommen. Vom Hohentwiel, einem steilen Felsklotz mit Burg über der Stadt, hätten wir gerne ein Foto gemacht. Es waren aber immer störende Bäume davor.

Das untere Bild ist in der schönen Altstadt von Engen entstanden. Oberhalb der Stadt waren wir auf einem netten Campingplatz. Hier ist lange nicht mehr so ein Rummel wie am Bodensee.

Der Radfahrtag beginnt mit dem so geliebten "Frühstücksberg": Wir müssen von 500 m auf 800 m hinauf, um die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau zu überwinden. Die schöne Landschaft hier mit vulkanisch geprägten Kegelbergen, heißt Hegau. An der höchsten Stelle kommen wir direkt an einem ziemlich großen eingezäunten Testgelände von Daimler-Benz vorbei. Hier werden die Erlkönige, die getarnten zukünftigen Modelle, auf allen möglichen Streckentypen getestet. Einige haben wir auch gesehen.

Blick zurück auf die Vulkankegel des Hegau.

In der Nähe von Geisingen erreichen wir das obere Donautal. Von hier sind es nur noch 20 km bis nach Donaueschingen. Hier ist der Ursprung der Donau, aber nicht als Quelle. Wer hat im Erdkundeunterricht aufgepasst und kennt den Merkspruch? Zu unserem Erstaunen ist es hier auf gut 700 m Höhe weitläufig und topfeben.

Einige Kilometer vor Donaueschingen liegt der Riedsee mit einem Campingplatz. Es ist zwar erst kurz nach 13 Uhr und man könnte noch weiterfahren, aber wir wollen bei dem schönen Sonnenschein mal früher Schluss machen. Die Zeltwiese ist so groß wie ein halber Fußballplatz. Anfangs sind wir ganz alleine hier, erst später kommt noch ein holländischer Radfahrer. Die Wäsche muss gewaschen werden (Lisa hat gewaschen, ich habe nur meine Teile aufgehängt) und die Ketten der Fahrräder müssen gereinigt, geölt und auch nachgespannt werden.

Der Riedsee hat auch ein schönes Strandbad. Wegen der Trockenheit und Hitze in der letzten Zeit ist es für die Allgemeinheit geschlossen, nur die Campinggäste dürfen hin. Da hatten wir sehr viel Platz.

Am nächsten Tag geht es über die nächste Wasserscheide. Vom Ursprung der Donau bis zur Quelle des Neckar, der ja in den Rhein fließt, sind es nur wellige 15 km. Diese europäische Wasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer ist hier nicht sehr ausgeprägt. 

Bei Schwenningen liegt die Quelle des Neckar, man hat sie vor einigen Jahren neu gefasst. Einige Infos zum Neckar könnt ihr unten nachlesen.

Bei den Flussradwegen geht es ja im Prinzip immer abwärts, aber auch nur im Prinzip. Wir wollen nicht meckern, bis zur nächsten größeren Stadt Rottweil waren schon ein paar gute Abfahrten dabei.

Überreste einer römischen Badeanlage am Ortseingang von Rottweil.

Neben dem Kirchturm fällt er kaum auf, der kleine Turm links im Hintergrund. Mehr dazu später.

Am schönen Marktplatz von Rollweil machen wir Pause in einen Eiscafé.

Hier sieht man nochmals diesen Turm, auch hier hinter den Bäumen wirkt er nicht besonders. Wir hätten ihn gerne besucht, aber das hier sehr tiefe Tal des Neckar liegt dazwischen.

Der ThyssenKrupp-Turm ist etwas Besonderes. Er ist von der besagten Firma vor 3 Jahren in einer Bauzeit von nur 10 Monaten errichtet worden. Die Ingenieure vom BER waren dann wohl nicht beteiligt 😂. Der Turm ist 246 m hoch. In seinen 12 Aufzugsschächten testet die Firma modernste Aufzugtechnik. In 232 m Höhe gibt es die höchste öffentlich zugängliche Aussichtsplattform in Deutschland und einen Konferenzraum. 500.000 Besucher haben schon die tolle Aussicht genossen. Wir gehen beim nächsten Mal hin, wenn wir ohne Fahrräder da sind.

Zwei ganz verschiedene Brücken über den Neckar. Oben die Autobahnbrücke der A81 und unten eine kleine überdachte Holzkonstruktion.

Flussabwärts von Rottweil über Oberndorf bis Sulz ist das Tal des Neckar tief eingeschnitten, die hohen Hänge dicht bewaldet. Der Radweg verläuft häufig direkt am Fluss und gefällt uns gut. In Sulz beziehen wir nach 72 km ein Zimmer im Gasthof Hecht und genießen abends ein Bier und die gute Küche des Hauses. Damit ist der Blog jetzt bis auf einen Tag auf aktuellem Stand 😊.

Am Bodensee

Dienstag, 08.09.2020

Wir haben in Lindau den Bodensee erreicht. Das hatte ich im letzten Blog schon geschrieben. Wir haben damit ein anspruchsvolles Teilstück unserer Tour geschafft - den Radweg vom Königssee zum Bodensee mit vielen Steigungen, vor allem im hügeligen Allgäu. Die Mühen wurden aber immer belohnt mit sehr schönen Eindrücken und Ausblicken auf die Voralpenlandschaft. Der Bodensee begrüßt uns mit einem Zeppelin, dazu später mehr.

Relativ eben ist der Radweg am Bodensee, aber viele Kanten von geflickten Straßenaufbrüchen wecken nicht gerade unsere Begeisterung. Den See sieht man häufig nicht. Im weiteren Verlauf hinter Hagnau wird der Radweg schöner.

Zwischen Kressbronn und Langenargen kommen wir so gegen 15 Uhr zum Campingplatz Iriswiese. Wir bekommen noch einen kleinen, recht erdigen Fleck für unser Zelt und das zum stolzen Preis von 28 €. Hier am Bodensee ist der bisher größte Andrang auf unserer Tour. Die Wohnwagen und Wohnmobile stehen enorm dicht. Gäste, die nur eine Nacht bleiben, werden überall platziert, wo sie nicht gerade eine Durchfahrt blockieren. Wer immer schon eine Abneigung gegen Cämpingplätze hatte, bekommt sie hier bestätigt.

Das Positive ist, dass man einen direkten Zugang zum See hat. Dort genießen wir unser Feierabendbier am Kiesstrand.

In der Nacht war Regen angekündigt und so ist es auch gekommen. Wir hatten unsere Zeltunterlage nicht optimal ausgelegt und so ist einiges Wasser unter das Zelt gelaufen. Mangels Rasen war auch viel Erde ans Zelt gespritzt - ja, campen ist meistens schön, aber nicht immer 😂.

Morgens hatten wir das nasse Zelt gerade abgebaut, da fing der Regen wieder an. Frühstücken konnten wir zum Glück an einer überdachten Tischgruppe. In Regenklamotten sind wir dann losgefahren. Als der Regen stärker wurde, bot sich das große Dach eines Hofladens zum Unterstellen an. Die Kürbisse deuten an, dass so langsam der Herbst kommt.

Da für den ganzen Sonntag Regen angekündigt war, haben wir uns in Friedrichshafen ein Airbnb Zimmer gebucht. Die Lage ist top, direkt im Zentrum am Hafen. Schon um 11 Uhr sind wir da und können das Zimmer beziehen. Wir müssen in den 3. Stock und die Räder dürfen nicht unten im Treppenhaus stehen. Es gibt einen kleinen Aufzug - aber ob ein Rad da hinein passt? Seht selbst.

Am Sonntag Nachmittag war ich in Friedrichshafen im Zeppelin-Museum. Hier am Bodensee wurden Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 30er Jahre diese berühmten Luftschiffe gebaut. Für einen Technikinteressierten wie mich war das sehr spannend. Hier nur ein paar Fotos und Informationen.

Oben das Modell des britischen Luftschiffes R34, das 1919 nur wenige Tage nach dem ersten Flugzeug den Atlantik überquerte und auch wieder zurück flog. Es wurde nach Vorlagen eines deutschen Zeppelins gebaut, der im Ersten Weltkrieg 1917 in England notlanden musste. Der Hinflug in die USA dauerte 108 Stunden, der Rückflug wegen der besseren Winde sogar nur 75 Stunden - wesentlich schneller als ein Schiff.

Die nächsten Bilder zeigen einen eindrucksvollen Teilnachbau in Originalgröße des Zeppelins LZ 129 Hindenburg. Es ist das größte Luftfahrzeug, das je gebaut wurde. 245 m lang mit einem Durchmesser von 41 m und einem Gasfüllvolumen von 200.000 Kubikmetern. Dagegen wirkt der Jumbo winzig.

Das Gerippe bestand aus genieteten, sehr leichten Profilen aus Duraluminium.

Der Bereich für die Passagiere befand sich in zwei Ebenen im Inneren des Flugkörpers und war sehr großzügig, wie man sieht. Nur eine kleine Gondel für die Crew ragte nach außen.

Das ist eine sogenannte Motorgondel. Die großen Luftschiffe hatten 4-5 Stück. Darin saßen während der z. T. mehrtägigen Flüge drei Mechaniker ohne Verbindung zur restlichen Crew und hatten die Aufgabe, die Funktionfähigkeit des Motors zu gewährleisten.

Die Zeit der großen mit Wasserstoff gefüllten Starrluftschiffe endete am 6. Mai 1937 mit der bekannten Katastrophe von Lake Hurst (liegt bei New York), als LZ 129 Hindenburg beim Landeanflug Feuer fing und in wenigen Sekunden in Flammen aufging. 35 der 97 Personen an Bord und einer am Boden kamen dabei ums Leben.

Am Hafen von Friedrichshafen steht ein 22 m hoher, frei zugänglicher Turm. Von ihm hat man eine schöne Aussicht auf die Stadt und den Bodensee.

Das große, weiße Gebäude mit dem Turm im unteren Bild ist das Zeppelin-Museum. Unser Quartier lag nur ganz knapp links außerhalb des Bildes.

Die sonnigen Hänge an der Nordseite des Bodensees sind perfekt geeignet für den Obstanbau. Vor allem werden Äpfel aber auch Pflaumen angebaut. Die Bäume hängen brechend voll.

Die Kirche von Hagnau mit den ersten Weinbergen. Ab hier Richtung Nordwesten wird an den Hängen verstärkt Wein angebaut, sowohl rote als auch weiße Trauben.

Wir fahren weiter und kommen nach wenigen Kilometern nach Meersburg. Die Altstadt mit Schloss und Weingut liegt malerisch erhöht über dem See. Die kleinen, mit Weinlaub geschmückten Gassen erinnern an so manches Moselstädtchen.

Blick über den See nach Südwesten. Rechts kann man die Insel Mainau nur erahnen, etwa in Bildmitte liegt Konstanz.

In Unteruhldingen gibt es ein besonderes Freilichtmuseum. Es geht um Pfahlbauten aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit. Die Reste, die noch unter Wasser vorhanden sind, wurden zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Was auf den Bildern zu sehen ist, sind aber Nachbauten, die nach Ausgrabungen erstellt wurden. So könnte es also einmal hier ausgesehen haben. Mit Hilfe der Dendrologie und der Bestimmung des Alters aus den Jahresringes des Holzes kann man ganz konkrete Bauphasen feststellen. Die reichen von etwa 3900 v. Chr. bis 900 v. Chr. Ötzi ist also ein Zeitgenosse dieser Bewohner gewesen. Das waren keine Jäger und Sammler, sondern sie haben in Siedlungen mit mehreren Dutzend Häusern gelebt und Ackerbau, Viehzucht und Fischfang betrieben. Auch wenn es sich hier nur um Nachbauten handelt, so kann man sich doch gut vorstellen, wie die Menschen damals gelebt haben. Wir fanden es interessant.

Die Klosterkirche Birnau. Sie ist innen sehr eindrucksvoll gestaltet, leider durfte man nicht fotografieren. Deshalb nur eine abfotografierte Postkarte.

Eine Besonderheit gab es noch in der Kirche - Corona lässt grüßen.

Von Überlingen sind wir dann mit der Fähre auf die andere Seeseite nach Wallhausen gefahren. Nur wenige Kilometer weiter liegt der Campingplatz Fliesshorn. Welch ein Unterschied zum Campingplatz Iriswiese zu Beginn dieses Beitrags. Eine schöne große Zeltwiese mit nur drei anderen Zelten und herrliches Wetter beim Frühstück direkt am See.

Wir sind mittlerweile schon deutlich weiter Richtung Norden gefahren und radeln schon auf dem Neckar-Radweg. Mit dem Blogschreiben komme ich nicht richtig hinterher. Der nächste Beitrag kommt hoffentlich bald.

Entlang der Voralpen, Teil 2

Sonntag, 06.09.2020

Noch ein Nachtrag zum Kloster Benediktbeuern. Im letzten Blog hatte ich ja über Joseph von Fraunhofer geschrieben, der hier Wichtiges zur Optik geleistet hat. Am Morgen vor der Weiterfahrt werfen wir noch einen kurzen Blick in das kleine Museum, das in seinen früheren Werkstätten eingerichtet ist. Man erkennt die beiden großen Schmelzöfen, in denen er mit neuen Methoden und Materialien schlierenfreie Gläser für optische Instrumente herstellen konnte. Auch ein Teil der von ihm entwickelten Apparaturen ist ausgestellt.

Wir fahren heute erstmal nur 25 km bis Murnau. Die Wolken hängen nach dem gestrigen Regentag immer noch tief.

Den großen Bogen der Route um das Unterauer Moos und Kochel am See kürzen wir etwas ab. So richtig trocken ist diese Strecke aber auch nicht.

In Murnau haben wir uns mit den Eltern der Freundin unseres Sohnes Martin verabredet. Sie machen gerade Urlaub in Garmisch-Partenkirchen. Auch wenn das Wetter nicht so toll ist, wollen wir eine Schiffstour auf dem Staffelsee machen.

oben: Angler auf dem Staffelsee

unten: Nahe der Anlegestelle in Uffing

Nach der Schiffstour gehen wir in Murnau noch in den alt eingesessenen Gasthof Griessbräu. Hier haben Anfang des 20. Jahrhunderts Wassily Kandinsky und Gabriele Münter gewohnt, bevor sie ein eigenes Haus erworben haben. Am Spätnachmittag fahren wir noch über Bad Kohlgrub bis Saulgrub. Hier gibt es ein Naturfreundehaus und wir hatten telefonisch das Okay, dass wir dort zelten können. Im Ort treffen wir noch zwei schweizer Radler, die sehr froh sind, dass wir sie auf diese Möglichkeit hinweisen. Die Vollmondnacht ist sternenklar und mit 6 Grad die kälteste bisher. Da sind wir doch froh über unsere Daunenschlafsäcke.

Endlich scheint wieder richtig die Sonne. Abgesehen von einigen Steigungen gab's bisher auf der Strecke entlang der Voralpen auch viele moderate Teilstücke. Jetzt kommen wir ins Allgäu und hier herrscht ein permanentes, z. T. steiles Auf und Ab. Die Höhenlage der Route liegt hier auch bei über 800 m.

An diesem sehr bekannten Bau sind wir jetzt nach 2010 und 2015 zum dritten Mal mit den Fahrrädern - immer auf einer anderen Route. Viele werden sie kennen, die Wieskirche, eine üppig im Barockstil verzierte Wallfahrtskirche.

Auf dem Weg nach Füssen entlang von Bannwaldsee und Forggensee gab es wirklich mal ein paar flache Kilometer und es rollte gut. In Füssen wollten wir eigentlich eine Pause im Stadtzentrum machen. Wir sind aber regelrecht geflüchtet und haben kein einziges Foto gemacht. Es herrschte ein Rummel wie samstags auf der Hohe Straße in Köln. Im Zentrum standen teilweise 12-15 Radfahrer (natürlich mit E-Bike und ohne Gepäck!) und wollten eine Straße überqueren. Hier im Allgäu ist der bisher größte Touristenandrang auf unserer bisherigen Tour.

Die Kirche St. Coloman im Vordergrund, Schloss Neuschwanstein und hinten der über 2000 m hohe Säuling. Leider herrschten diffuse Gegenlichtverhältnisse.

Wir sind dann einige Kilometer weiter gefahren zum herrlich gelegenen Hopfensee. Beide Campingplätze hier hatten uns eine Absage erteilt. Der eine bleibt in diesem Sommer komplett geschlossen, der andere, ein 5*-Platz, ist voll belegt und hat auch keine Zeltwiese. Also müssen wir noch über 20 km zulegen. Zur Stärkung haben wir uns aber erstmal eine Pizza schmecken lassen.

Auf dem Campingplatz in Haslach am Grüntensee können wir unterkommen. Es sind auch noch weitere Radfahrer da. Einer von ihnen fährt mit einem selbst gebauten Liegerad. Ein sehr professionelles Gefährt, bei dem er den Sitz je nach Fahrsituation flacher oder steiler stellen kann. Dazu noch ein Paar, das schon drei Monate in Frankreich und Deutschland unterwegs ist und eine junge Frau aus dem Chiemgau, die noch bis nach Portugal fahren will.

Direkt nach dem Frühstück geht's sofort wieder hoch. Auf den ersten zwei Kilometern haben wir schon viermal geschoben, wenn auch nur kurz. Bei Oy-Mittelberg sind wir auf 995 m, der wahrscheinlich höchsten Stelle unserer gesamten Umrundung von Süddeutschland. Im Hintergrund sieht man die Autobahn A7 von Memmingen nach Füssen.

Von der höchsten Stelle muss es ja irgendwann mal runter gehen, aber durchaus gespickt mit einigen Gegenanstiegen. Wir überqueren die Iller und kommen nach Immenstadt. Diese Stadt hatten wir eigentlich als wenig sehenswert in Erinnerung. Wohl zu Unrecht, wie die folgenden Bilder vom Marktplatz zeigen.

Von Immenstadt fahren wir 18 km weiter nach Oberstaufen, am Alpsee vorbei. Die Strecke entlang der Bahnlinie sieht in der Karte harmlos aus. Es gibt aber ein Dutzend kleine und große Wellen/Anstiege und bei Gegenwind ist das eine anstrengende Angelegenheit. Wir hatten schon seit ein paar Tagen vor, einige mittlerweile überflüssige Dinge in einem Paket nach Hause zu schicken. In Oberstaufen liegt eine Postfiliale direkt am Wege und so nutzen wir die Gelegenheit. Subjektiv waren es 4-5 kg, die Waage der Post zeigte leider nur 3 kg 😂.

Die Suche nach Campingplätzen, die Radfahrer aufnehmen, ist schwierig. Etwas abseits der Route im Argental bei Riedholz finden wir einen, der sogar einen richtig großen, tollen Pool hat. Ein Bad nach den Mühen des Tages erfrischt die Lebensgeister. Unsere Zeltstelle ist etwas schattig direkt an einem kleinen Bach gelegen. Zum Frühstück ist es uns morgens noch zu kühl und so fahren wir erstmal ein paar Kilometer. Nach 45 Minuten finden wir eine herrlich sonnige Bank, und es kommen sogar tierisch viele Zuschauer.

Heute ist unser letzter Tag auf dem Radweg vom Königssee zum Bodensee. Jetzt geht es wirklich hinunter auf 400 m. Kurz vor dem See sind wir ganz nah an der österreichischen Grenze bei Bregenz. Wir haben uns entschieden auf der deutschen Seite des Sees zu fahren und sind bald in Lindau.

Zwischen Kressbronn und Langenargen beenden wir nach einigen langen Radtagen heute schon um 15 Uhr unsere Schicht und genießen ein Feierabendbier am Kiesstrand.

Über unsere Erlebnisse am Bodensee berichten wir im nächsten Blog.

Über München nach Benediktbeuern

Dienstag, 01.09.2020

Von Bad Feilnbach fahren wir am Freitag weiter auf dem Bodensee-Königssee Radweg nach Westen. Nur wenige Kilometer sind noch relativ flach. Dann ist aber "Schluss mit lustig". Bis hinter Niklasreuth müssen wir 350 Höhenmeter hinauf. Teilweise ist es so steil, dass wir auch länger schieben müssen. Nach einer kurzen Abfahrt verläuft die Strecke jetzt moderater bis Fischbachau. Die Route macht hier einen ziemlichen Bogen nach Süden. Danach geht es am nicht sehr großen Schliersee entlang wieder nach Norden bis Hausham.

Der Schliersee mit dem gleichnamigen Ort.

In Hausham rät uns ein Einheimischer, nicht weiter dem eigentlichen Radweg zu folgen, weil der "als Zumutung" steil und rumpelig durch den Wald verläuft. Stattdessen fahren wir auf der Landstraße. Da ist zwar einiger Verkehr, aber es rollt ganz gut. So kommen wir nach gut 40 km nach Gmund am nördlichen Ende des Tegernsees. Hier ist erstmal eine ausgiebige Pause in einem Gasthof fällig. Wir wollen ja heute zu unserem Neffen nach Eichenau, etwas westlich von München, fahren. Im Prinzip könnte man schon ab Gmund den Zug nehmen. Da das Wetter aber noch gut ist und wir noch Zeit haben, radeln wir noch 25 km weiter Richtung München bis Holzkirchen. Hier steigen wir dann in den Zug nach München und später in die S-Bahn nach Eichenau. Die Bedienung des Ticket-Automaten und das Erreichen des richtigen Bahnsteigs mittels Aufzug für die Räder klappen sehr gut. Das haben wir auf deutschen Bahnhöfen schon ganz anders erlebt. Den ganzen Tag sind wir trocken und anfangs auch noch sonnig gefahren. Auf den letzten 2 km von der S-Bahn zur Wohnung sind wir aber noch nass geworden. Von Idrissa und Simon werden wir herzlich begrüßt.

Den ganzen Samstag hat es, wie vorhergesagt, ergiebig geregnet. Man konnte keinen Schritt vor die Tür setzen. Statt selbst Rad zu fahren haben wir dann die erste Etappe der Tour de France im TV angeschaut.

Am Sonntag war das Wetter etwas besser, aber nicht ganz trocken. Um die Mittagszeit sind Lisa und ich dann mit der S-Bahn in 20 Minuten zum Münchener HBF gefahren. Wir hatten uns überlegt, die Zeit für einen Museumsbesuch zu nutzen. Uns interessierte die Galerie im Lenbachhaus mit der größten Sammlung zu Werken des "Blauen Reiters". Diese Ausstellung hat uns sehr gut gefallen.

"Der Blaue Reiter" ist der Name einer Künstlergruppe aus München, die sich 1911 in Abgrenzung zur bisherigen traditionellen Kunstauffassung gründete und schon 1914 mit Beginn des Ersten Weltkrieges wieder auflöste. Sie gilt als Wegbereiter des Expressionismus in Deutschland. Die wichtigsten Vertreter waren der Russe Wassily Kandinsky mit seiner früheren Schülerin und späteren Lebensgefährtin Gabriele Münter, weiter August Macke, Franz Marc und der Schweizer Paul Klee. Macke und Marc fielen jung im Ersten Weltkrieg mit erst 27 bzw. 36 Jahren. Kandinsky und Klee wirkten später auch als Lehrer am Bauhaus in Weimar und Dessau. Murnau am Staffelsee war ein beliebter Ort für diese Künstler, wo Kandinsky und Münter zeitweise ein Haus bewohnten, das wir 2010 besichtigt haben.

Gemälde von Franz Marc

Im folgenden Arbeiten von Wassily Kandinsky

 

Die Gemäldesammlung Alte Pinakothek

Neuer breiter Radweg auf Kosten einer Autofahrspur

Das Münchener Rathaus

Die Regentage haben wir auf diese Weise gut genutzt, alle Wäsche ist wieder gewaschen. Vielen Dank, Simon und Idrissa, noch einmal für das entspannte, unterhaltsame Wochenende bei euch. Am Montag ist es wieder trocken, so dass wir unsere Tour fortsetzen können. Ursprünglich wollten wir mit dem Zug wieder bis Holzkirchen zurück fahren. Wir haben uns aber dann anders entschieden und fahren direkt von Eichenau los Richtung Süden. Auf diese Weise radeln wir auf ganzer Länge am Ostufer des Starnberger Sees entlang. Dort stehen schon schöne Villen der Prominenz, die Stadt Starnberg fanden wir aber nicht besonders attraktiv.

Zwei Pausen am Starnberger See

Es war kühl geworden, ich glaube, es war der erste Tag auf unserer Tour, der die 20 Grad Marke nicht geschafft hat. Nach den Regentagen ist zelten wohl nicht so die erste Wahl. Wir haben uns ein Quartier gebucht - im Gästehaus des Klosters Benediktbeuern, mal etwas anderes.

Die Gründung des Klosters geht schon auf das Jahr 725 zurück. Karl der Große vermachte ihm eine Armreliquie des Hl. Benedikt und so wurde es über viele Jahrhunderte bis zur Säkularisation 1803 zu einem der ältesten und wichtigsten Benediktinerklöster Bayerns. Nach vielfältigen z. T. militärischen Verwendungen der Gebäude hat die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos 1930 die weitläufige Anlage erworben und zu einem Zentrum religiöser Bildung, Wissenschaft und Jugendarbeit ausgebaut.

Zwei bedeutende Personen sind mit Benediktbeuern verbunden.

Der berühmte Optiker Joseph von Fraunhofer (1787-1826) erzielte seine bahnbrechenden Erfolge in Benediktbeuern: die Entwicklung des schlierenfreien Flintglases sowie die Entdeckung der nach ihm benannten "Fraunhoferschen Linien", dunklen Linien im Sonnenspektrum.

Nach der Säkularisation hatte der Fabrikant Joseph von Utzschneider 1805 die Gebäude des ehemaligen Klosters Benediktbeuern erworben und dort eine Glashütte zur Herstellung von Gebrauchsglas und optischem Glas eingerichtet sowie ein optisches Institut. Hier war Joseph von Fraunhofer zwischen 1807 und 1819 tätig.

Der andere ist Carl Orff. Er vertonte 1937 die "Carmina Burana", die größte Sammlung weltlicher und geistlicher Lieder des Mittelalters, die 1803 in der Klosterbibliothek entdeckt wurde.

oben: an der Rezeption des Gästehauses

unten: das Innere der Klosterkirche Päpstliche Basilika St. Benedikt

oben: Kreuzgang des Klosters

unten: Frühstück im Speisesaal

Heute am Dienstag wollten wir eigentlich die etwa 25 km bis Murnau fahren. Dort hatten wir uns mit den Eltern der Freundin unseres Sohnes verabredet, um eine Bootsfahrt auf dem Staffelsee zu machen. Daran ist aber nicht zu denken. Es schüttet morgens wie aus Eimern und laut Regenradar soll das noch einige Stunden so andauern. Bei diesem Wetter können wir nicht fahren. Zum Glück bekommen wir noch für eine weitere Nacht ein Zimmer, müssen aber umziehen. Den Bootsausflug werden wir auf Mittwoch verschieben.

Am Nachmittag nehmen wir noch an einer interessanten Führung durch das Kloster teil. Hier einige Impressionen davon:

 Der frühbarocke Festsaal von 1675.

Der Haupttrakt des Klosters im Abendlicht - ohne Regen

Ab Donnerstag müssen wir aber mal wieder etwas "Strecke machen". Wenn wir in dem Tempo der letzten Tage vorankommen, sind wir erst im Oktober wieder zuhause 😉.

Entlang der Voralpen, Teil 1

Donnerstag, 27.08.2020

Wir sind auf dem Campingplatz am Tachinger See, wie der nördliche Teil des bekannteren Waginger Sees heißt.

Am Spätnachmittag ist es schon etwas frisch geworden. Die Jugend kümmert das nicht, aber Lisa weiß nicht so recht. Letztendlich ist sie doch reingegangen.

Am anderen Morgen um kurz nach 7 waren wir dann beide schwimmen. Das Wasser ist ganz klar und gar nicht besonders kalt - herrlich.

Auf der Weiterfahrt kommen wir kurz vor Traunreut durch diesen Ort. Sie wechseln alle drei Monate das Ortschild, dieses Mal haben sie es wohl wegen Corona vergessen 😉.

In Traunstein machen wir eine kleine Pause und kaufen ein. Erst im 4. Versuch schaffen wir es, in einem Outdoor Laden eine neue Gaskartusche zu erstehen. Mit der alten waren wir vier Wochen ausgekommen.

Auch heute ist unsere Etappe nicht besonders lang, weil wir möglichst Campingplätze nutzen wollen und die sind hier nicht sehr zahlreich. In Bergen, etwas südöstlich des Chiemsees steuern wir einen Platz an. 

Der Platz gefällt uns auf Anhieb gut. Wir haben eine prima grasige Zeltstelle mit einer Tisch-Bank-Gruppe. Direkt neben dem Platz liegt ein schönes Freibad. Ein Teil ist ein normales Becken, der andere Teil ein Naturschwimmbecken. Der Eintrittspreis ist sogar in der Campinggebühr enthalten.

An der Rezeption bekommt Lisa noch einen Prospekt mit Attraktionen der Umgebung. Daraufhin meint sie: "Wir könnten morgen den Hochfelln besteigen." Von einem solchen Berg hatten wir noch nie etwas gehört. Es soll aber ein schöner Aussichtsberg sein und eine Seilbahn zum Gipfel gibt es auch noch. Also beschließen wir spontan, dass wir zwei Nächte bleiben und eine Bergwanderung einschieben.

Frühstück in der Morgensonne. Hinten im Bild sieht man eine Familie mit zwei Kindern, die zusammen schon vom Bodensee hergeradelt sind.

Unten schauen wir von unserem Zeltplatz auf den Hochfelln (1674 m), links im Bild.

Es ist ein sonniger Tag angesagt. Vom Sturm, der heute über die Mitte Deutschlands fegt, bleibt hier nur ein normaler Wind. Wir fahren mit den Rädern zur Seilbahnstation am Ortsrand. Die ganze Strecke von 1100 Höhenmetern wollen wir nicht rauf und runter laufen. Mit der Seilbahn, übrigens die zweitlängste Deutschlands, fahren wir bis zur Mittelstation auf ca. 1070 m. Ab da gehen wir zu Fuß.

Anstieg von der Mittelstation zum Gipfel.

Im oberen Teil wird der Weg steiler und steiniger. Dafür öffnet sich schon der Blick in die Ebene mit dem Chiemsee. Nachdem wir eine kleine Scharte im Grat überschritten haben, erreichen wir nach knapp zwei Stunden den Gipfel. Wir haben in unserer langjährigen Bergsteigerzeit schon auf vielen Gipfeln gestanden, auch auf vielen mit schöner Aussicht. Der Hochfelln gehört da ganz sicher in die erste Reihe. Das Besondere ist, dass der Gipfel ziemlich frei steht, obwohl er ja nicht besonders hoch ist. Einerseits schaut man phantastisch 1000 m tiefer nach Norden in das Voralpenland, andererseits reicht der Blick bis zur Kette der Zentralalpen. Das tolle Wetter heute macht die Sache natürlich perfekt.

Das obere und untere Bild zeigen so eine Art Panoramablick von Südost nach Südwest.

Das obere Panorama hat Lisa mit dem Handy gemacht.

Ich zeige zum Großvenediger, mit über 3657 m der dritthöchste Berg Österreichs (ziemlich genau über der linken Tannenbaumspitze).

Unten sieht man das Ganze nochmal herangezoomt. Der Großvenediger ist der große Schneeberg ganz rechts. Das war 1970, also vor 50 Jahren, mein erster Dreitausender. Mit meinem Vater und meinem jüngeren Bruder Peter habe ich damals diesen Berg bestiegen.

Auf dem oberen Bild erkennt man deutlich fast genau in der Bildmitte einen großen Einschnitt. Das ist das Inntal, etwa bei Kufstein. Links davon folgt der Zahme Kaiser und noch weiter links das gezackte Massiv des Wilden Kaisers.

Der Gipfel des Hochfelln mit dem Blick zum Chiemsee.

Wir waren ganz begeistert von dieser Gipfelschau. Um nicht mit unseren Fahradschuhen den steinigen Weg wieder herunter zu gehen, sind wir vom Gipfel mit der Seilbahn bis zur Mittelstation gefahren. Ab dort führte ein besserer Weg durch das schattige Schwarzbachtal wieder zur Talstation zurück. Zum Abschluss dieses gelungenen Tages gehörte natürlich noch ein Besuch im Schwimmbad.

Mittlerweile waren auf dem Campingplatz noch weitere Radfahrer eingetroffen. Sehr nett haben wir uns mit einem Radler aus Memmingen unterhalten.

Hier in Bergen stoßen wir auf den Radweg, der vom Königssee zum Bodensee führt und dem wir jetzt nach Westen folgen. Den waren wir im Herbst 2010 vom Bodensee aus schon einmal gefahren. Damals ohne Zeltgepäck und bei häufig schlechtem Wetter. Das erste Teilstück führt uns heute von Bergen über 60 km bis nach Bad Feilnbach. Bis auf einen stärkeren Anstieg zwischen Bernau am Chiemsee und Aschau ging es meist ganz moderat durch die schöne Voralpenlandschaft.

Hier hatten wir kurz überlegt, ob wir zur Abwechslung mal ein kleines Stück auf der Autobahn A8 fahren sollten - nein, kleiner Scherz.

Bei Kirchdorf überqueren wir den Inn, der immer noch sehr viel Wasser führt und kurz danach die Autobahn, die Richtung Kiefersfelden zur Grenze nach Österreich geht.

Kurz vor Bad Feilnbach

Bis jetzt haben wir eigentlich ziemlich Glück mit dem Wetter gehabt. Ab Freitag Nachmittag ist aber für einige Tage ausgiebiger Dauerregen für diese Region vorausgesagt. Wir werden also eine Auszeit nehmen. Am Freitag wollen wir bis Gmund oder wenn es geht bis Bad Tölz mit den Rädern fahren. Von da mit der Bahn nach Eichenau, etwas westlich von München, zu meinem Neffen Simon und seiner Frau Idrissa und dort zwei Nächte bleiben.

 

 

 

 

 

Von Passau bis zum Waginger See

Montag, 24.08.2020

Noch ein Nachtrag zum Thema Bayerischer Wald. Ich hatte bisher immer gedacht, dass das ganze Gebiet an der bayerisch-tschechischen Grenze der Bayerische Wald wäre. Das stimmt aber nicht. Von Norden an sind es das Fichtelgebirge, der Steinwald und der Oberpfälzer Wald. Erst die Region südlich von Cham ist der Bayerische Wald.

Am Samstag sind wir von unserem Campingplatz in Neßlbach an der Donau flussabwärts Richtung Passau gestartet. Der Tag begann schon mit einem Malheur und es sollte nicht das einzige bleiben. Beim Spülen hat sich Lisa ziemlich hefig mit einem scharfen Opinel-Messer in einen Finger der linken Hand geschnitten. Es ging aber noch ohne Arztbesuch. Wir hatten einige Sachen gewaschen und meine Socken waren noch nicht trocken. Deshalb hatte ich sie außen hinten auf meine Packtasche geschnallt. Als wir in Passau ankamen war nur noch einer da - Malheur zwei. Der Donauradweg ist gut ausgebaut, meist glatt geteert und bis auf einige kurze steile Stücke ganz überwiegend flach. Auf unserer ersten großen Radtour nach Budapest im Jahr 2007 sind wir hier schon einmal entlang gefahren. Konkret wiedererkannt haben wir auf der Strecke kaum etwas. Die landschaftlichen Eindrücke sind eher mittelmäßig.

Blick auf Vilshofen

Laufwasserkraftwerk kurz vor Passau. Lisa ist hinter dem oberen Geländer winzig zu erkennen.

Passau ist bekannt als Drei-Flüsse-Stadt. Von rechts mündet der Inn in die Donau, der zumindest im Moment deutlich mehr Wasser führt. Durch die Sedimente und die Gletschermilch aus den Alpen ist das Innwasser meist recht hell. Von links kommt die kleinere (schwarze) Ilz. Das ergibt ein interessantes Dreifarbenspiel.

Die recht kleine Altstadt mit dem Dom liegt zwischen Inn und Donau.

Hochwassermarkierungen am Rathaus. Die zweite von oben stammt von 2013.

Blick auf den Dom

Im Innenhof des Doms

Das Innere des Doms mit der weltgrößten Orgel. Von einem Konzert um 12 Uhr hatten wir zu spät erfahren und es knapp verpasst.

Es gibt auch ein Dackelmuseum.

Mit einem Shuttlebus sind wir dann hoch zur ehemaligen Festung am nördlichen Donauufer gefahren. Von dort hat man einen tollen Blick auf die Stadt und den Zusammenfluss von Donau und Inn. Leider hat das Wetter heute nicht so richtig mitgespielt.

So sieht das auf einem Foto der Touristeninformation aus.

Am Zusammenfluss von Donau und Inn.

Nach insgesamt drei Stunden Stadtbesichtigung ging die Fahrt weiter den Inn aufwärts. Nach den starken Gewittern vor zwei Wochen im Süden Bayerns führt der Inn viel braunes Wasser. Der Inn bildet hier die Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Der Radweg auf deutscher Seite ist anfangs nicht gut. Zwar direkt am Fluss gelegen, aber ein grob-steiniger Waldweg. In Neuburg am Inn wechseln wir auf die andere Seite nach Wernstein. Wir haben Hunger und setzen uns in einen Biergarten. Man merkt sofort, dass man in Österreich ist. Die Begriffe auf der Speisekarte sind ganz andere. Wir bestellen Marillenknödel und Zwetschgenpofese. Es ist mittlerweile schon 15:30 Uhr und wir haben noch über 25 km bis Bad Füssing vor uns. Bis Schärding auf der österreichischen Seite rollt es etwas besser. Dann wechseln wir wieder auf die deutsche Seite. Nach einem ungeplanten Umweg kommen wir für die letzten 16 km wieder an den Inndamm. Der Inn fließt hier zwischen hohen Deichen, das umgebende Land liegt tiefer. Ziemlich monoton geht es auf der Deichkrone auf Feinschotter dahin. Vor uns wird es immer dunkler und dann fängt der Regen an. Wir ziehen die Regenjacken an, zum Unterstellen gibt's nichts. Über eine halbe Stunde geht das so, bis wir ziemlich nass in Egglfing bei Bad Füssing einrollen. Es ist nach 18 Uhr, die Rezeption des Campingplatzes ist schon geschlossen. Im Restaurant fragen wir nach einem Zimmer, das der Platz auch anbietet - alle belegt. Also doch das Zelt aufbauen. Zum Glück hat es mittlerweile zu regnen aufgehört. Die gute heiße Dusche und das Essen im Restaurant bringen uns wieder in Schwung. Ein Tag mit vielen Erlebnissen.

Morgens ist noch alles dumpf feucht draußen, da wollen wir nicht sitzen und frühstücken und fahren los. Im nächsten Dorf soll es einen Bäcker geben, er hat Betriebsferien. In Ehring nach 15 km haben am Sonntag die Bäcker nicht geöffnet. Wir finden im Ortszentrum aber eine sonnige Bank, sogar mit Tisch. Das passt doch perfekt für's Frühstück. In der Zeit können auch die nassen Klamotten vom Vortag schon mal etwas trocknen. Es geht weiter an den Zusammenfluss von Inn und Salzach. Ganz in der Nähe liegt Markl, der Geburtsort von Papst Benedikt. Aber Lisa meint, wir müssten da nicht unbedingt hinfahren. Wir folgen weiter der Salzach in Richtung von Burghausen. Kurz vorher muss man weiträumig das riesige Chemiewerk von Wacker und Linde umfahren. 

In Burghausen gibt es wieder einen Rekord, mit über 1 km Länge die längste Burganlage der Welt auf einem schmalen Höhenrücken.

Blick von der Burgmauer auf die Altstadt

Der Herr ist wohl auch länger im Regen gefahren.

Impressionen vom Marktplatz von Burghausen.

Rückblick auf Burghausen mit der Salzach.

Es sind nochmals 20 km bis zu unserem Ziel, dem Camping Seebacher bei Tittmoning. Es geht anstrengend von der Salzach hoch auf eine wellige Hochfläche, nicht weit liegt der Wallfahrtsort Altötting.

In der Ferne sieht man schon die ersten Berge der Voralpen.

Der Zeltplatz liegt schön direkt an einem kleinen See und nach dem Zeltaufbau genießen wir noch den Sonnenuntergang.

Trocknung vor dem Zeltaufbau

Heute am Montag beginnt der Tag mit Frühsport im See, Lisa hat sich nicht getraut. Wir fahren nur eine kurze Etappe bis Waging am See, um mal etwas Muße, z. B. zum Blog schreiben zu haben. Da ein anvisierter Campingplatz aber ausgebucht ist, müssen wir 5 km wieder zurück fahren zu einem anderen Platz. Also war es doch fast 16 Uhr bis wir ankommen. Die Umgebung des Sees ist schön und am Horizont erkennt man schon die ersten Voralpengipfel. Bei einer Wassertemperatur von 24 Grad geht jetzt auch Lisa schwimmen.

Wir sind heute fast genau 4 Wochen unterwegs und dürften etwa Halbzeit haben. Meine geschätzten 2500 km für die gesamte Tour werden wahrscheinlich nicht reichen. In den letzten Wochen haben wir schon einige Kommentare zu unseren voll bepackten Fahrrädern bekommen. Das reichte von "oh, da kommen Auswanderer" über "fahrt ihr nach Indien?" bis zum mitleidvollen "die fahren aber noch mit Anfängergepäck".

PS: lahmes Wlan und einsetzender Regen haben die Ausgabe leider verzögert